Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

dehnten gewaltigen Gletschern bedeckt, und diese, sowie die Süd- 
spitze von Amerika gleichen den Eisverhältnissen, wie sie etwa 
gegen das Ende der Eiszeiten auf der nördlichen Halbkugel be- 
standen haben mögen (Krauss Eiszeit S. 18). — Auch in Europa 
selbst zeigt sich, dass seit dem Jahre 1200 n. Chr. das Klima kälter 
geworden ist. Im 11.—13. Jahrhundert waren nach VEneTtz die 
Alpengletscher weit weniger vorgeschritten, als jetzt und erst im 
15.—17. Jahrhundert drangen sie wieder vor, so dass sie ehemalige 
Wege und Wälder zerstörten. Ferner wurde in Deutschland vor 
wenigen Jahrhunderten noch in vielen Gegenden Wein gebaut, wo 
es jetzt nicht mehr der Fall ist, weil daselbst der Wein nicht mehr 
gedeiht (zu vielen Spätfrösten ausgesetzt ist und auch nicht mehr 
gehörig reift, nicht mehr trinkbar wird). — Auch Grönland ist 
ein frappantes Beispiel. Um das Jahr 1000 wurde es von Norwegen 
und Island aus besiedelt und war eine zahlreiche blühende Kolonie 
mit einer Reihe von gegen 20 Bischöfen, bis sie im fünfzehnten 
Jahrhundert durch fortschreitende Verschlechterung des Klimas und 
zunehmende Vereisung unterging, und Grönland seinen Namen (das 
grüne Land) nur noch zum Spott führt. 
Es dürfte wohl noch lange dauern, bis die Frage nach Ent- 
stehung und Wiederkehr der Eiszeiten ausser Streit ist, die plausibelste 
der Theorien ist aber nach meiner Ansicht immer noch die ADHE- 
MAR-CroLL’sche. 
XIV. Da nun endlich nach dem unter VII Gesagten die Men- 
schen beim Schlusse, bezw. Rückgang der letzten Eiszeit schon 
Jebten und sich nicht mehr im allerprimitivsten Kulturzustand be- 
fanden, so dürfte, wenn obige Crort’sche Berechnung richtig ist, 
das Alter der Menschheit auf mehr als 50000 Jahren zu schätzen 
sein. — 
Schliesslich halte ich es noch für meine Pflicht, dem Verfasser 
des Werks: „Die Eiszeit. Ravensburg bei O0. Mar“, Herrn 
Fabrikant Fr. Krauss daselbst, für die viele Hilfe, welche mir dieses 
Werk bei Ausarbeitung obigen Aufsatzes bot, meinen besten Dank 
auszusprechen und denjenigen der geehrten Herren Leser, welche sich 
über diesen Gegenstand noch näher unterrichten möchten, die Lektüre 
dieses Werkes zu empfehlen. 
239
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.