Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 57, 1901)

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um den Charakter derselben, d. h. die Anpassung derselben an das 
ausschliessliche Meerleben auszudrücken und glaube mich hierzu um 
so mehr berechtigt, da weder bei LYDEKKER noch bei ZırteL die 
Gruppe Metriorhynchidae vollständig das umfasst, was ich als 
Thalattosuchia oder Meerkrokodilier bezeichne. 
Der Grund, warum diese Krokodilier bisher so wenig Be- 
achtung fanden, ist natürlich in erster Linie in ihrer Seltenheit zu 
suchen, weiterhin aber auch darin, dass bisher fast nur der Schädel, 
nicht aber das übrige Skelett berücksichtigt wurde; dies gilt ganz 
besonders von DzsLonGscHAMps, der uns zwar eine Reihe von präch- 
tigen Schädeln von Metriorhynchus aus dem französischen Oxfordien 
vorführt, uns aber leider über das Rumpfskelett derselben voll- 
ständig im unklaren lässt, und ebensowenig schenkt WAGNER den 
Skelettresten, welche zusammen mit den Schädeln seiner Oricosaurus- 
Arten gefunden wurden, die gebührende Aufmerksamkeit. Gerade 
das Rumpfskelett aber ist es, in welchem die fundamentalen 
Unterschiede der Thalattosuchier von allen übrigen Krokodiliern am 
schärfsten ausgeprägt sind und ohne die Kenntnis des Rumpfskelettes 
wäre es nicht möglich, die verschiedenartigen Differenzierungen des 
Schädels richtig zu deuten. 
Es würde zu weit führen, auf den Gang der Untersuchung und 
die vielfachen vergleichend-anatomischen Studien näher einzugehen, 
und ich begnüge mich damit, gleichsam in einer etwas ausführlichen 
Diagnose die neue Gruppe von Krokodiliern und deren Vertreter 
zu charakterisieren. 
So abweichend der Skelettbau der Thalattosuchier von den 
echten Krokodiliern bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen mag, 
so zeigt doch die eingehendere Vergleichung, dass es sich bei 
dieser Gruppe nur um Umwandlungen handelt, welche durchgehends 
auf den Skelettbau der Krokodilier zu beziehen sind, und dass die 
scheinbaren Übereinstimmungen mit gewissen anderen Saurier- 
gruppen, z. B. den Ichthyosauriern, Sauropterygiern und Pythono- 
morphen nur als homologe Ausbildung gewisser Organe, nicht aber 
als verwandtschaftliche Beziehungen zu deuten sind. 
Ich habe bereits erwähnt, dass das wesentliche Merkmal der 
Thalattosuchier das ausschliessliche Leben im Meere ist, 
indem sich aus dieser Lebensweise alle die weitgehenden Um- 
wandlungen des Skelettes erklären lassen. Wir werden sehen, 
dass diese Krokodilier in geradezu staunenerregender Weise allen 
den Anforderungen nachkommen, welche wir als Anpassungserschei-
	        

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