Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 59, 1903)

DIR

verwende. In den ersten Jahren wurde mir dazu leihweise von der
K. Meteorologischen Centralstation in Stuttgart das in deren Besitz
befindliche, in Fünftelgrade geteilte Thermometer überlassen, welches
eine Korrektur von —0,2° an seinen sämtlichen Ablesungen nötig
hatte. Seit zwei Jahren besitze ich ein eigenes, von MoLLENKOPF
in Stuttgart bezogenes Instrument, welches keiner Korrekturen bedarf
 und in ganze Grade, jeder von 3 mm Weite, eingeteilt ist. Die
Schätzungen nach Zehntelgraden lassen sich daher mit grosser Schärfe
daran ablesen und ich habe mich des öfteren persönlich davon überzeugt,
 dass der mit den Messungen betraute Bahnwärter ULMER an
der Angermühle in durchaus sicherer und zuverlässiger Weise die
Zehntelgrade abzulesen versteht.
Das Thermometer ist mit einem Kettchen am oberen Teile
gefasst und wird an solchem ins Wasser gelassen, in welchem es
infolge Beschwerung mit Blei in aufrechter Lage schwebend bleibt.
Wiederholte Proben haben ergeben, dass ein Verweilen des Instruments
 im Wasser während drei Minuten genügt, um ihm die Temperatur
 des Wassers zu geben. Nach Verfluss dieses Zeitraums wird
es .an einem zweiten Kettchen, das am unteren Teil des Instruments
angebracht ist, herausgezogen, wobei es sich umkehrt und der Teil
des Quecksilbers, welcher in der graduierten Röhre zurückbleibt, nun
unveränderlich die Wärme des Wassers anzeigt. Es ist in der That
überraschend, wie unveränderlich das Thermometer, wenn es in umgekehrter
 Lage festgehalten und aufgehängt wird, in der wärmsten
Stube wie in freier Luft noch nach Stunden dieselbe Temperatur
angiebt wie im Augenblick, da es aus dem Wasser kam.
Gemessen wurde von ULMER täglich dreimal und zwar in Berücksichtigung
 der Empfehlung Dr. Forster’s und des Verhältnisses
zur Ortszeit in mitteleuropäischer Zeit um 11*/2 Uhr alle Tage, sodann
 im Sommer (April-September) um 7'/4 Uhr vor- und 3%4 Uhr
nachmittags, im Winter (Oktober bis März) um 8!/4 Uhr vormittags
und 3'/2 Uhr nachmittags. Erfahrungsgemäss haben Verfrühungen
oder Verspätungen von 10—15 Minuten keine unrichtigen Angaben
im Gefolge, weil das Wasser seine Wärme nur langsam ändert.
Die Ergebnisse der Messungen sind in der auf S. 230 u. 231
beigefügten Tabelle in der Art zusammengestellt, dass das Monatsmittel
 jedes der drei Termine, sowie aller zusammen angegeben ist,
und zwar bezeichnet F die Frühzeit, M die Mittagszeit, A die Abendzeit,
 T den ganzen Tag. Mit L ist die Wärme der Luft nach dem
Monatsmittel der meteorologischen Station in Biberach angefügt
            
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