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aber die Möglichkeit der Lösung ist doch noch vorhanden. Dies rechtfertigt
die Zuteilung aller Formen, die auf solche Art am Boden leben,
zu den pseudosessilen Crinoiden, um so mehr, da sie schon morphologisch
durch das Fehlen einer echten Wurzel als halbsessil gekennzeichnet sind.
Blüte und Niedergang eines organischen Individuums, auch des
übergeordneten Individuums einer Art oder Gattung ist in erster Linie
in konstitutiven Ursachen begründet, die sich — namentlich bei fossilen
Organismen — im allgemeinen der direkten Beobachtung entziehen.
Von den Verhältnissen der Umwelt sind diese Vorgänge erst in zweiter
Linie abhängig. Damit ist aber wenigstens ein mittelbarer Weg gegeben,
um zu Resultaten über diese Fragen zu gelangen, wir werden ihn daher
auch hier einschlagen.
Das Vorwalten von bituminösen Schiefern und Schwefelkies in
den Liasablagerungen kennzeichnet diese trotz häufiger Zwischenlagerung
von Kalken als eine Schichtgruppe, „wie wir sie zwar häufig und in den
verschiedensten Formationen kennen, die aber als das „normale‘* Meeressediment
nicht angesprochen werden kann‘ (HEnnıc, 12). Die Ölschieferbildung
finden wir schon im a, sie „leitete eine längere Zeit vorwiegender,
wo nicht alleinherrschender Tonsedimentation ein“ (Henxıc), nämlich
Lias ß, an dessen oberer Grenze vermehrte Kalkzufuhr einen Wechsel
brachte, der im wesentlichen während der y-Zeit anhielt. Die Amaltheentone
des Lias 6 mit starker Schwefelkiesanreicherung zeigen etwas andersartige,
doch ebenfalls minder günstige Verhältnisse. Hierauf folgen die
Ölschiefer des Lias e, die sich als Maximum der ganzen Entwicklung
schon durch das starke Zurücktreten benthonischen Lebens darstellen.
Dies ist zwar in den anderen Liasablagerungen keineswegs der Fall, doch
ist bemerkenswert, daß die unsichersten Vertreter der Benthoswelt, die
Muscheln und Ammoniten herrschend, dagegen typische Grundbewohner,
wie Seesterne und Seeigel, selten sind und besonders Rilfbauer, wie Korallen,
Bryozoen, Spongien, „keine zusagenden Lebensbedingungen finden‘.
Daß endlich die Seelilien nur mit einer einzigen Gattung vertreten
sind, ist nicht verwunderlich, wissen wir doch, daß sie (besonders im
Mesozoikum) Kalkböden bevorzugen, Tonböden dagegen vermeiden.
Auch Pentacrinus scheint ihnen nach Möglichkeit ausgewichen zu sein,
daraufhin deutet wenigstens, was HENNıG vom Lias ö berichtet: „Wo
sich der Kalkgehalt schon einmal inmitten der Tone lokal anhäuft. stellt
sich gern P basaltiformis in Masse ein.“
Aus alledem darf man wohl die Folgerung ziehen, daß Crinoiden,
die mit einer echten Wurzel dauernd an ihren Standort gebunden sind,
im Liasmeer keine erträglichen Existenzbedingungen finden konnten,
Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ, 1926.