Full text : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 62, 1906)

na

Ar.

einem Pigmentgehalt beruht, sondern nur durch den jeweiligen Inhalt
and Füllungsgrad des reich verzweigten Darmes bedingt ist. Auch
bei solch gefärbten Individuen sind die Stellen des Körpers, wo
keine Darmäste vorhanden sind, also die Seitenränder und das Vorderende,
 sowie der Pharynx und die Geschlechtsorgane immer milchweiß.
 Bei einzelnen Exemplaren schimmert der Darm ausgesprochen
violett hindurch. Es ist dies offenbar eine Interferenzerscheinung
und auf dieselbe Weise zu erklären, wie die Tatsache, daß die Venen
durch die menschliche Haut blau hindurchscheinen, oder daß die
[ris aller Neugeborenen dunkelblau ist. Das Kopfende von Dendrocoelum
 cavaticum ist vorne abgestutzt, doch nicht gerade, sondern
mit einer flachen, konkaven Einkerbung versehen, zu deren beiden
Seiten zwei kurze, in der Längsrichtung des Körpers verlaufende
Wülste angedeutet sind.‘ Die ohrförmigen Fortsätze sind weder besonders
 lang, noch auffallend spitz und meist schräg nach vorne
gerichtet. Auf der Bauchseite des Kopfendes sieht man jederzeit
sehr deutlich den Saugnapf, welcher als eine runde oder quer ovale
Grube erscheint. Am konservierten Tiere bietet die Form des Kopfendes
 wenig Charakteristisches, nur der Saugnapf ist‘ meist sehr
deutlich zu sehen. Über die Mitte der Rückenfläche verläuft, kurz
hinter dem Kopfende beginnend, eine scharfe Kiellinie, welche über
dem Pharynx sich allmählich verliert; dagegen tritt zu beiden Seiten
des Pharynx je eine neue, nach hinten sich erstreckende Kiellinie
auf. Es folgen diese Kiele genau dem Verlaufe der drei Darmäste.
Auch diese Kiellinien werden am ‚konservierten Tiere undeutlicher.
Der zylindrische Pharynx liegt etwas hinter der Mitte des Körpers,
noch weiter hinten erkennt man die Geschlechtsorgane, ohne daß
man jedoch Details von ihnen sieht, denn, obwohl das Tier weiß
und zart erscheint, ist es doch nicht sehr durchsichtig und die ebenfalls
 pigmentlosen Sexualorgane heben sich von der übrigen weißen
Körpermasse nur schlecht ab. Sehr gut erkennt man dagegen den
Darm, wenn er durch Nahrungspartikel gefärbt ist, und man kann
dann alle seine Verzweigungen und Äste genau zählen. Dendrocoelum
cavaticum ist für eine Planarie ziemlich lebhaft. In der Gefangenschaft
 sieht man sie viel hin und her kriechen, während Dendrocoelum
 lacteum viel träger herumliegt. Kriecht die blinde Planarie
langsam, so sind die Seitenränder des Körpers gekräuselt. "Wenn
das Tier zusammengezogen dasitzt, dann tritt diese Kräuselung
noch viel stärker hervor, stärker noch fast, als es WELTNER (32)
in seiner Abb. 2 von Dendrocoelum nunctatum PALL. zeichnet. Kriecht
            
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