Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 62, 1906)

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das Tier etwas rascher, so gleicht seine Bewegung einem ruhigen
Dahinfließen, wobei die Ränder meist glatt getragen werden. Ist
die Triklade sehr in Eile, so verlaufen seitliche Wellen über die
Seiten des Körpers, indem kurz hinter dem Vorderende ruckartige
Einziehungen erfolgen, welche sich dann noch weiter hinten zu fortpflanzen,
 um sich hinter der Gegend des Pharynx allmählich zu verlieren.
 Während des Kriechens sondiert die Planarie häufig mit dem
Kopf hin und her, um denselben sofort einzuziehen, wenn. sie an
etwas Verdächtiges stößt. Die übrigen Partien des Körpers besitzen
dagegen offenbar eine viel geringere Tastempfindlichkeit. Wird das
Tier von seiner Unterlage losgelöst, so sucht es immer zuerst mit
dem Saugnapf sich wieder festzuhalten und bringt dann erst den
übrigen Körper in die richtige Lage. Wenn es mit Salpetersäure
getötet wird, so streckt und glättet es sich ziemlich gut, wenn auch
lange nicht so schön wie Planaria gonocephala oder gar alpina.
Das muskulöse Drüsenorgan, häufig auch der Pharynx, tritt bei der
Tötung gewöhnlich heraus. Dendrocoelum lacteum verkrüppelt sich
bei der Tötung mit Salpetersäure viel mehr als Dendrocoelum
Cavaticum.
Dendrocoelum cavaticum ist sowohl gegen Temperaturerhöhungen
wie gegen mechanische Lädierungen sehr empfindlich. Frızs (6)
gelang es ja zuerst z. B. nicht, sie von der Falkensteiner Höhle
nur eine Stunde weit nach Urach zu transportieren, sondern er fand,
als er nach Ablauf dieser Zeit sein Sammelglas nachsah, die Planarie
einfach in Nichts zerflossen vor. Unter genügenden Vorsichtsmaßregeln
 sind jedoch auch weitere Transporte gut zu ermöglichen.
Man muß nur dafür sorgen, daß das Wasser, in dem sich die Tiere
befinden, nicht zu warm wird und daß dieselben nicht zu sehr geschüttelt
 werden. Wenn man nicht zu kleine Gläser nimmt und
das Wasser häufiger wechselt und, um die Erschütterungen zu
mildern, etwas Laub in dasselbe bringt, so halten die Tiere gut aus.
Auch in der Gefangenschaft leben sie unter geeigneten Bedingungen
lange. Wie empfindlich die Höhlenplanarie gegen Verletzungen ist,
geht daraus hervor, daß sie, stets rasch abstirbt, wenn man z. B.,
wie ich es getan, ein kleines Stück vom Körper abschneidet, um
daran die Flimmerbewegung zu studieren. Zu Regenerationsversuchen
ist Dendrocoelum cavaticum also jedenfalls nicht geeignet, während
Dendrocoelum lacteum hierzu ja vielfach benützt wird.
Ich gehe nun dazu über, die Verhältnisse darzulegen, wie sie
mir die mikroskopische Untersuchung ergeben hat. Ich möchte
            
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