Metadaten: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 115, 1960)

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Il. Nachrufe 
Ernst Kleinschmidt 
Am 5. August 1959 verschied, gerade einen Monat vor Vollendung seines 
82. Lebensjahres, Professor Dr. phil. ERNST KLEINSCHMIDT, Direktor a. D. an 
der Deutschen Seewarte und Honorarprofessor an der Universität Hamburg. 
Er ist nur noch den älteren Vereinsmitgliedern persönlich bekannt, da er im 
Herbst 1936 von Stuttgart nach Hamburg übersiedelte, wo ihm unter Er- 
nennung zum Direktor die Leitung der Hauptabteilung Wetterdienst bei der 
damaligen Seewarte übertragen wurde, nachdem er vorher 29 Jahre lang, 
von 1908 bis 1936, im württembergischen Landesdienst gewirkt hatte. 
KıEsmscuMIDT wurde am 5. September 1877 in Wiesbaden geboren. Er 
wollte ursprünglich Schiffsingenieur werden, weshalb er nach der Reifeprü- 
fung zunächst an die damalige Kaiserliche Werft in Kiel ging. Wegen seiner 
Augen mußte er jedoch dieses Berufsziel aufgeben. Er hat damals wahr- 
scheinlich nicht geahnt, daß ihm seine praktische Ausbildung in Kiel später 
als Leiter der Drachenstation in Friedrichshafen am Bodensee noch sehr zu- 
gute kommen würde. An den Universitäten Göttingen, Bonn, Berlin und 
Straßburg studierte KLEINSCHMIDT Physik, Mathematik und Philosophie und 
promovierte 1904 bei F. BRAUN in Straßburg mit .einer Arbeit aus dem 
Gebiet der drahtlosen Telegraphie. Schon 2 Jahre vorher gewann ihn 
H. HERGEseLL als Assistenten am Straßburger Meteorologischen Institut, zu 
der Zeit als gerade die Entwicklung der Aerologie, der Erforschung der 
freien Atmosphäre, begann. Als dann zu diesem Zweck auf Betreiben von 
HERGESELL und des GRAFEN ZEPPELIN die Drachenstation in Friedrichshafen 
am Bodensee gegründet wurde, war es eine überaus glückliche Wahl, KıeIn- 
scHMIDT die Einrichtung und Leitung dieser neuartigen aerologischen Sta- 
tion zu übertragen. Der regelmäßige Beobachtungsdienst begann am 
1. Januar 1908, womit KLEINSCHMIDT in den württembergischen Landes- 
dienst übertrat, wenn auch das „Kuratorium“ für die Drachenstation nicht 
rein württembergisch war. Tagtäglich fuhr er mit seiner „Gna“, dem damals 
schnellsten Schiff auf dem Bodensee, schon vor Sonnenaufgang hinaus auf 
den See, um auf einem jeweils dem Wind angepaßten Schiffskurs mit Meteo- 
rographen, die entweder von einem Fesselballon oder Drachen in Höhen bis 
zu 5000 m getragen wurden, Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeit, Wind- 
richtung und Windstärke in der freien Atmosphäre zu messen. Im August 
1928 hatte ich selbst bei einem 14tägigen Schulungsgang die Freude, diese 
herrlichen Sommerfahrten am frühen Morgen mitzumachen und KLEIN- 
SCHMIDT in seinem Element kennenzulernen. Die bei diesen Aufstiegen 
verwendeten Meteorographen hat KLEINSCHMIDT in Zusammenarbeit mit
	        
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