Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 66, 1910)

XLIL — 
von Heilquellen, welche sowohl eine beträchtliche Quantität von Mineral- 
salzen, besonders Kochsalz, Glauber- und Bittersalz, als auch Kohlen- 
säure und kohlensaure Erden enthalten. Die Mergentheimer Karlsquelle 
Jarf als die wichtigste württembergische Repräsentantin dieser Quellen- 
gattung angesehen werden und man bezeichnet sie am besten als koch- 
salzhaltige Bitterquelle. Außerdem erwähne ich noch die der Mergent- 
heimer Karlsquelle ziemlich nahe verwandte Hohenecker Quelle bei Lud- 
wigsburg. Auch die Berg-Cannstatter Quellen müssen auf Grund der 
chemischen Analysen in diesem Zusammenhange genannt werden, wenn 
auch ihr Mineralsalzgehalt verhältnismäßig gering ist. 
Bevor ich.auf spezielle chemische und balneologische Fragen ein- 
gehe, wird es Sie gewiß interessieren, über die Entdeckung der Mergent- 
heimer Heilquellen einige geschichtliche Angaben zu erfahren. Es ist 
sehr wahrscheinlich, daß schon seit langer Zeit im Taubertal Mineral- 
wasser vorhanden war, aber wegen ungenügenden natürlichen Auftriebs 
verlor es sich im Grundwasser der Tauber, so daß es älteren Gene- 
rationen verborgen blieb. Erst im Jahre 1826 wurde eine Salzquelle 
dicht am rechten Ufer der Tauber fast im Niveau des‘ Flußspiegels 
durch einen Zufall aufgefunden. Der damalige Mergentheimer Ober- 
amtsarzt Dr. BAUER, dem wir die erste Veröffentlichung über die 
Mergentheimer Heilquellen verdanken, erzählt uns hierüber, daß im 
Oktober 1826 ein Schafknecht bemerkte, wie seine Schafe sich begierig 
an eine kleine stark bittersalzig schmeckende Quelle herandrängten, 
welche auf rotbraunem Geröll hervorrieselte und auf ihrem kurzen Lauf 
in die Tauber ihr Bett gleichfalls braun färbte. Der Mergentheimer 
Stadtrat, welcher von dieser Entdeckung sofort benachrichtigt wurde, 
nahm noch am gleichen Tage einen Augenschein vor und traf alsbald 
die Anordnung, daß 10 Schritte landeinwärts von dieser Stelle ein 
3 Quadratfuß weites Loch bis auf das besagte braune Geröll ausge- 
graben wurde, worauf sich dieser Quellschacht sogleich mit Mineral- 
wasser füllte. Aus diesem Schachte wurde sodann das Wasser zum 
Privatgebrauch sowie zu den chemischen Versuchen geschöpft. Die 
ersten allerdings nicht ganz vollständigen Analysen wurden. von dem 
Mergentheimer Apotheker ScHtvrz und dem Tübinger Professor SıG- 
WART vorgenommen. Im Verlaufe des Winters 1826/27 überschwemmten 
jedoch die Fluten der wiederholt aus ihrem Bett getretenen Tauber die 
Mineralquelle und füllten den Quellschacht mit Lehm und Geröll an. 
Trotzdem versuchte man im Monat Juli 1827 der Quelle an derselben 
Stelle nochmals auf die Spur zu kommen, was auch bald gelang. Man 
verfolgte die Quelle durch den Schutt bis auf den Wellenkalk. In dem 
Felsen besserte sich fast mit jedem Fuß Tiefe das Mineralwasser an 
Menge und Güte. In einer Tiefe von 15 Fuß wurde der hellgraue 
dünnblättrige Wellenkalk ganz unvermutet durchbrochen und dagegen 
{eberfarbener und grünlich-grauer Schieferton, abwechselnd mit schmalen 
Schnüren und Knollen von leberfarbenem und weißem, zum Teil sehr 
schön kristallisiertem Gips aufgeschlossen. Auf diesem Flöze nun, das 
nach der Ansicht BAvUErR’s zur bunten Sandstein-Formation zu gehören 
schien, sah. man das Mineralwasser an drei verschiedenen; 3—4 Fuß
	        

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