Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 66, 1910)

XLIV 
voneinander entfernten Klüften sehr reichlich und mit großer Stärke 
hervorquellen. Der Grund des Schachtes wurde nun geebnet und sämt- 
liche ärei Quellen wurden in einem Kasten von Eichenholz von 5 Fuß 
Weite und 28 Fuß Höhe gefaßt und von außen her abgedichtet. Aber 
auch diese Fassung der Quelle erschien mit Rücksicht auf die Nähe 
des Flusses doch bald als gar zu primitiv und ungenügend. Man be- 
schloß daher, durch Bohrversuche die Mineralquelle ganz außerhalb des 
Überschwemmungsgebiets aufzusuchen und ein besonders günstiger Zu- 
fall wollte es, daß gleich der erste Versuch im Herbst 1828 glückte. 
Man fing etwa 300 Schritte in östlicher Richtung von der ursprüng- 
lichen Mineralquelle entfernt unmittelbar am Fuß des Löffelstelzer Berges 
an zu graben. In einer Tiefe von 10—12 Fuß kamen die Arbeiter 
auf eine merkwürdige gegen 2!'/2 Fuß mächtige Erdschichte, die mit 
vielen Holzkohlen, Tonscherben, Knochen und Zähnen verschiedener 
Säugetiere, Geweihen von Rothirschen und Rehen gemengt war. In 
einer Broschüre des früheren Badebesitzers Dr. Hörıne findet sich die 
Vermutung ausgesprochen, daß diese Tongefässe von vorchristlichen 
deutschen Völkern, etwa Hermunduren und Chatten herstammen könnten, 
da nach historischen Untersuchungen es vorzugsweise die Taubergegend 
gewesen sein soll, um deren Salzlachen sich die genannten Völkerschaften 
in uralter Zeit gestritten haben. Nach einer anderen Anschauung soll 
es sich um römische Gefäße von Terra sigillata gehandelt haben. Leider 
scheinen diese Funde nicht aufbewahrt worden zu sein, wenigstens ist 
hierüber gar nichts zu erfahren. Bei der weiteren Bohrung kam in 
einer Tiefe von 16 Fuß das schon erwähnte rotbraune Geröll und noch 
9 Fuß tiefer der Wellenkalkfelsen. In diesem Felsen zeigten sich in 
einer Tiefe von 42 Fuß die ersten Spuren von Mineralwasser. Erst 
nachdem der untere Muschelkalk durchbrochen war, drängte sich in 
einer Gesamtiefe von 65 Fuß unter Tag plötzlich das Mineralwasser 
in Menge und mit so großer Gewalt aus dem Bohrloche hervor, daß in 
ganz kurzer Zeit der Schacht, welcher mittlerweile mit Eichenholz aus- 
gezimmert worden war, bis auf 9!/2 Fuß sich anfüllte. In das eigent- 
liche Bohrloch wurde nun ein eichener Teichel eingelassen, in welchem 
das Mineralwasser eine Höhe von 12 Fuß erreichte. Durch ein in 
dieser Höhe angebrachtes eisernes Rohr wurde sodann ein Abfluß für 
das Mineralwasser geschaffen, Der natürliche Druck, unter welchem 
die Quelle steht, ist nur gering und es befindet sich das Niveau der 
Quelle von jeher in einer Tiefe von etwa 4 m unter der Erdoberfläche. 
Man muß deshalb auf Stufen zur Quelle hinabsteigen und es bietet sich 
dem Besucher leider nicht der stolze Anblick eines Sprudels. 
Über die neuerbohrte Quelle, welcher zu Ehren des damaligen 
Kronprinzen der Name „Karlsquelle“ beigelegt wurde, errichtete man 
im Jahre 1829 ein Brunnenhaus und daneben ein Badehaus. Das kleine 
Bad erlebte die Genugtuung, daß schon im ersten Jahr seines Bestehens 
die unerwartet große Zahl von über 3000 Bädern abgegeben werden 
konnte. Auch die Vorzüge der Trinkkur, welcher hier bekanntlich 
eine größere Bedeutung zukommt als der Badekur, wurden damals schon 
erkannt und geschätzt, wenn auch die speziellen Indikationen für den
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.