Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 66, 1910)

XLV 
inneren Gebrauch dieser Heilquelle erst später präzisiert wurden. Auf 
die wechselvollen Geschicke des Bades seit seiner Begründung will ich 
nicht weiter eingehen, sondern ich wende mich nunmehr den chemisch- 
physikalischen Eigenschaften der Karlsquelle zu. 
Chemische Analysen wurden im Laufe der Jahrzehnte sehr viele 
vorgenommen und zwar zuerst in den 30er Jahren des vorigen Jahr- 
hunderts von GmELIN und von SıcGwaArt, den beiden bekannten Tübinger 
Chemikern, Im Jahre 1853 untersuchte der berühmteste Chemiker seiner 
Zeit, Justus von Lımsie, die Karlsquelle und stellte ihr das Zeugnis 
aus, daß sie zu den vorzüglichsten kalten Mineralquellen Deutschlands 
zu rechnen sei. Weitere Analysen stammen von den Würzburger Chemikern 
SCHERER 1869 und RöTreER 1897, Die neuesten chemischen Unter- 
suchungen wurden im Jahre 1906 von Fresenius in Wiesbaden und 
von dem Laboratorium HUunDEesHAGEN und PyıLIr in Stuttgart vor- 
genommen und weisen fast völlig übereinstimmende Resultate auf. Die 
betreffenden Untersuchungen ergaben, daß die Temperatur der Quelle 
9,8° C beträgt. Als spezifisches Gewicht fand sich 1017. Die chemischen 
Bestandteile des Mineralwassers hat Fresenius sowohl auf Grund der 
althergebrachten Salzberechnung als auch auf Grund der Ionen-Theorie 
zusammengestellt. Aus praktischen Gründen erscheint die Zugrunde- 
legung der Ionen-Theorie für den Mediziner weniger angezeigt und ich 
werde mich im folgenden vorwiegend an die Salzanalysen halten. Der 
Mineralsalzgehalt der Karlsquelle ist ein recht hoher und zwar beträgt 
er in ll 19,825 g. In besonders üppiger Fülle, nämlich in einer 
Menge von 11,644 g im Liter ist das Kochsalz vorhanden, dann folgt 
das schwefelsaure Natron oder Glaubersalz mit 3,345 und die schwefel- 
braune Magnesia, das Bittersalz, mit 2,262 g. Diese drei Salze prägen 
in der Hauptsache der Quelle ihren bestimmten Charakter auf und so 
wird die Quelle in der Balneologie entweder als Kochsalz- oder als 
Bitterquelle oder was wohl das richtigste sein dürfte, als kochsalzhaltige 
Bitterquelle bezeichnet. Im Deutschen Bäderbuch wird besonders dar- 
auf hingewiesen, daß bei einem Mineralwasser die Chlor-Ionen-Konzen- 
tration diejenige der Sulfat-Ionen wesentlich übertreffen kann, ohne dem 
Wasser die Zugehörigkeit zu den Bitterquellen zu nehmen, weil eben 
das reichliche Vorhandensein der Sulfat-Ionen dem Wasser eine be- 
sonders charakteristische Zusammensetzung verleiht. Wie in den meisten 
Mineralguellen findet sich auch in der Karlsquelle kohlensaurer Kalk 
und zwar in einer Menge von 1,142 g, ferner schwefelsaurer Kalk oder 
Gips 0,907 g in ll. Außerdem ist etwas Chlorkalium, Chlorlithium 
und Chlorammonium vorhanden, kleine Mengen von Brom und Jod und 
ferner etwas Eisen in der Form des kohlensauren Eisenoxyduls. Dazu 
kommen noch eine ganze Anzahl von mineralischen Bestandteilen in 
kleinsten Mengen, welche ich nicht einzeln aufzählen will, da Sie die- 
selben aus der in Ihren Händen befindlichen Analyse ersehen können. 
Welche Rolle diesen sog. minimalen Quellenbestandteilen zuzuweisen 
ist, muß vorläufig noch mehr oder weniger dahingestellt bleiben. Die 
Gesamtmenge der Kohlensäure beträgt 1,553 g und zwar etwas mehr 
als 1 g freie Kohlensäure. Die Frage, ob dies Vorhandensein von
	        

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