Stuttgarter Uni-Kurier Nr. 61/ Februar 1994
Anforderungen an den Straßenbau der Zukunft:
Erhaltung vorrangig
Der Neubau und die Erneuerung von Straßen waren charakteri-
;tisch für die Nachkriegszeit. Heute verfügen wir über ein gut
unktionierendes Netz leistungsfähiger Straßen, die von Auto-
ahnen für den öffentlichen Massenverkehr bis hin zu den be-
;chränkt öffentlichen ländlichen Wegen für den langsam fahren-
den Land- und Forstwirtschaftsverkehr reichen. Zusammen mit
4em alles dominierenden Netz der Stadtstraßen, der Radwege
ynd den sonstigen Flächen für den rollenden und ruhenden Ver-
xehr ergibt sich eine aktualisierte Investition von ca. 600 Milliar-
den DM. Nach Jahrzehnten außerordentlicher Leistungen im
Straßenneu- und -ausbau gewinnen nun vor dem Hintergrund
leerer Kassen und der Öffnung des nationalen Baumarktes infol-
ge europäischer Regelungen zwangsläufig zwei Aufgabengebiete
größte Bedeutung: 1. die Straßen-Erhaltung und 2. die Realisie-
rung von aufgeschobenen, konfliktüberladenen und deshalb sehr
kostspieligen Einzelmaßnahmen, auf die hier aber nicht einge-
yangen wird.
n den letzten Jahren hatte zwar die
vorrangige Schaffung einer effizien-
en Straßen-Infrastruktur in den jun-
Jen Bundesländern noch einen be-
risteten Aufschub zugunsten des
Veubaues bewirkt, jedoch müßten
aufgrund der Altersstruktur unserer
Straßen in kurzer Frist mehr als die
lälfte der in den Haushalten für den
Straßenbau eingebrachten Gelder
‘ür Erhaltungsmaßnahmen einge-
setzt werden, damit alle Verkehrs-
teilnehmer auch weiterhin einen ver-
<xehrssicheren Straßenzustand, an-
Jemessenen Benutzungskomfort
und ausreichende Leistungsfähigkeit
‚orfinden. Dabei besitzt die Erhal-
tung von gefährdeten Brückenbau-
Werken verständlicherweise Priorität
‚or den Maßnahmen auf der freien
Strecke
auch der Verbesserung von Um-
weltbedingungen dienen.
Die Zustandskontrolle ist die lau-
ende und periodische Erfassung
les Zustandes des Straßenkörpers,
les Zubehörs, der Nebenanlagen
ınd der angrenzenden Vegetation.
5le bildet die Grundlage für die Ma-
ı1agement-Aufgabe der Straßener-
ı1altung. Die Wartung betrifft die
zeinigungs- und Pflegearbeiten so-
vie den Winterdienst. Die bauliche
zrhaltung umfaßt alle baulichen
Vaßnahmen zur Erhaltung von Stra-
3enkörper, Zubehör und Nebenanla:
Jen.
Die bauliche Unterhaltung wird
Jarallel zur betrieblichen überwie-
Jend im Eigenbetrieb der Straßen-
neistereien oft als Sofortmaßnahme
ıusgeführt, da sie sich auf einfache
Arbeiten in Eigenregie beschränken
<ann. Die Wirksamkeit bleibt aller-
lings auch auf kurze Zeiträume be
schränkt.
Ganz anders und bedeutend an-
;pruchsvoller stellen sich aber die
\ufgaben im Rahmen der Instand-
jetzungen und / oder der Erneuerun:
Jen dar. Sie setzen eine eingehen-
Aufgaben der Straßenerhal-
tung
die schwierige Aufgabe der Stra-
Senerhaltung ist aber nicht neu,
denn sie besteht, seit es Straßen
Jibt. Sie umfaßt alle Maßnahmen,
die der Substanzerhaltung, der Si-
ıheruna des Gebrauchswertes und
Achtung 25jährige!
Entscheidung
Mit dem vollendeten 25. Lebensjahr müssen
Sie Mitglied einer Krankenkasse werden, weil
Ihre Familienversicherung zu diesem Zeit-
ounkt endet. Nur wenn Sie Grundwehr-, Mili-
tär- oder Zivildienst geleistet haben, ver-
schiebt sich die Frist entsprechend. Sie kön-
nen frei wählen. Die TK ist als berufsspezifi-
sche Krankenkasse auf technische Angestell
ten-Berufe und deren Berufsnachwuchs
spezialisier
Mit rund 4,4 Millionen Versicherten ist sie bun-
desweit die drittgrößte gesetzliche Kranken-
kasse in Deutschland. Studenten, die eine
technische Fachrichtung studieren, gehören
von Anfang an in die richtige Krankenkasse
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Das Thema: Integrierte Verkehrskonzepte 15
genügt demnach nicht mehr, eine
‚on vielen möglichen Maßnahmen
ıuszuschreiben oder anzubieten.
/ielmehr muR die jeweils optimale
„‚Ösung erarbeitet und plausibel be-
gründet werden. Dies wird nur
möglich sein, wenn die breite Palet-
te der verschiedenen Bauweisen -
mit Asphalt (heiß oder kalt), Beton,
Pflaster oder ungebundenen Schich
ten - unter Einbeziehung aller sinn-
vollen Kombinationsmöglichkeiten
sowie der unproblematischen Wie-
derverwendbarkeit (Recycling) und
absoluten Umweltverträglichkeit al-
er Baustoffe beherrscht wird.
Es ist zwingend notwendig, unter
Abwägung ökonomischer und öko-
ogischer Aspekte jene Bauweise zu
wählen, die ohne nachhaltige Beein
trächtigung für Straßennutzer und
Jmwelt den höchsten technischen
3ewinn garantiert. So wird z.B. die
n Abb. 1 erkennbare Autobahn-Bau-
stelle unter Aufrechterhaltung des
/erkehrs abgewickelt. Die alte
Jeckschicht wird erwärmt, aufge-
10mmen, mit neuem Asphaltmisch-
Jut ergänzt und an Ort und Stelle
Nieder eingebaut.
Bewährte Bauweisen mit „all-
-ound”-Eigenschaften erfahren so
die Konkurrenz von neuen, auf be-
\bb. 1: Bauen unter Verkehr: Remix-Verfahren zur Regenerierung und Verstärkung
äner Asphalt-Deckschicht.
de, meß- und prüftechnisch ein-
nandfreie Zustandserfassung zur
Schadensanalyse und Wahl der op-
imalen Maßnahme(n) voraus. Es
Jilt, Schäden vorzubeugen oder ab-
ıustellen und dabei zusätzlich das
Vutzen-Kosten-Verhältnis günstig zu
alten:
- die Instandsetzung beschränkt
sich auf die Oberflächen und befah-
'ene Deckschichten zur Verbesse-
‘ung von Griffigkeit, Ebenheit, Was-
jerabfluß, Lärmminderung und Re-
lexionsverhalten. Sie bildet in der
zegel aber noch keine konstruktive
/erstärkung im Sinne einer Tragfä-
ıgkeitserhöhung.
- die Erneuerung stellt den einer
Neuherstellung entsprechenden vol-
en Gebrauchs- und Substanzwert
ler Straßenbefestigung her.
Das Leitziel für die Straßenerhal-
ung läßt sich demnach als Zu-
<sunftsaufgabe wie folgt formulieren
„Erhaltung eines optimalen Stra-
3enzustandes, der dem potentieller
Nutzer einen höchstmöglichen Ge-
nrauchswert bei aleichzeitig mini-
nalen gesamtwirtschaftlichen Ko-
sten und höchstmöglicher Umwelt-
‚erträglichkeit gewährleistet”.
Iptimierung als Ziel
Dieses Ziel ist sehr hoch gesteckt,
so daß an die Leistungsfähigkeit al
er Beteiligten (Bauherrschaft und
3auausführende) höchste Anforde-
'ungen gestellt werden müssen. Es
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Abb. 2: Zusammenhang zwischen Einflußgrößen, Grundmerkmalen, abgeleiteten
Merkmalen und Zielkriterien im Straßenbau
stimmte Effekte hin optimierten
Schichten, wie z.B. durch die mo-
dernen Dränasphalte und lärmmin-
dernden Beläge, deren Langzeit-Be
Währung aber auch angezweifelt
und diskutiert wird.
Die Wiederentdeckung der Kalt-
Jauweisen mittels Bitumenemul-
sion, z.B. zur dauerhaften, umwelt-
v‚erträglichen Einbindung wiederzu-
/‚erwendender, schadstoffbelasteter
Straßenbaustoffe und der Einsatz in-
dustrieller Nebenprodukte sowie
minderwertiger Überschuß-Mineral-
stoffe, stellen uns vor Aufgaben, die
‚or dem Hintergrund obiger Ziele
ainer objektiven, vielschichtigen Prü-
‘ung und Praxis-Bewährung zwecks
Zulassung oder Ablehnuna bedür-
an.
Die vielen Interaktionen der für
den Straßenverkehr relevanten Ziel-
<riterien mit den Grundeigenschaf-
'en und den daraus abgeleiteten Ei-
Jenschaften lassen sich am einfach-
sten anhand der Abb. 2 nachvollzie-
1en.
Die eingetragenen Verknüpfun-
zen verdeutlichen, daß die Optimie-
‘ung einzelner Eigenschaften nicht
ähne Auswirkung auf den Optimie-
'ungsprozeß der gesamten Straßen-
Jefestigung bleiben kann. Verändert
nan z.B. die Rauheit als Grundei-
Jenschaft einer Straßenoberfläche,
Jm über eine höhere Griffigkeit das
Zielkriterium Verkehrssicherheit zu
verbessern, greift man zwangsläufig
n die weiteren abgeleiteten Eigen-
schaften wie Wasserabfluß, Refle-
xion, Rollgeräusch und Rollwider-
stand ein. Es ist deshalb stets zu
arüfen, für welche Kriterien sich
Jaraus negative Effekte ergeben.
die vorrangige europäische Forde-
ung nach „Safety in use” wird der
Jauerhaften Erhaltung von Straßen
nit optimalen Oberflächeneigen-
schaften höchste Priorität einräu-
‘frarkalnfaunea StraßRannann
Verkehrsberuhigung - ein Baustein zur umweltverträglichen Stadt
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