Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 67, 1911)

wart und Natur des Bindemittels. Andererseits werden die Sand- 
steine von zahlreichen, meist recht scharfen Spalten, sog. Lassen‘ 
durchzogen, deren Richtung im allgemeinen parallel zu den großen 
Verwerfungsspalten verläuft und die meist häufig genug in allen 
tektonisch gestörten Gebieten des Buntsandsteins zu finden sind. 
In diesen Spalten finden die Verwitterungsagentien ebenfalls ge- 
eignete Angriffsflächen für ihr Werk. Infolgedessen bildet sich bald 
eine Sonderung des homogenen Sandsteins nach allen diesen Rich- 
tungen hin aus, und block-, schiefer-, platten-, bankförmig bezw. 
parallelepipedisch zergliedert sich das Gestein”, Das Endresultat 
dieses ersten Stadiums der Verwitterung stellen Anhäufungen 
größerer und kleinerer Platten und Blöcke dar®. Eine treffende 
Schilderung dieses Vorganges entnehmen wir den diesbezüglichen 
Aufzeichnungen A. Savzre’s*, „Die ersten Angriffspunkte für die 
Verwitterung und Zertrümmerung der Buntsandsteindecke bieten 
offenbar, wie man an tiefen Aufschlüssen erkennen kann, zahlreiche 
der Buntsandsteinmasse innewohnende Absonderungsfugen, die teils 
der Schichtung folgen, teils mehr oder weniger senkrecht dazu ver- 
laufen. Auf diesen sickert das Wasser ein, gefriert und lockert 
damit den Sandstein. Den nunmehr schon etwas erweiterten Spalten 
folgen die Baumwurzeln; sie fassen die obersten Bänke senkrecht 
und seitlich gleich eisernen Klammern, schieben ihre mehr und mehr 
erstarkenden Wurzeln wie Keile in die Schichtfugen und beteiligen 
sich so in hervorragender Weise an einem Zerstörungswerke, als 
dessen Resultat wir die gewaltigen Felsenmeere an den Hängen der 
Buntsandsteinmasse anstaunen.“ 
Dem ersten Stadium des Zerfalls schließt sich sofort ein 
zweites an, dessen Beginn wohl ebenfalls schon in die Zeit des 
ersteren fällt und dessen Ursache in der strukturellen Anordnung 
der einzelnen Teile des Sandsteins unter sich begründet ist. Die 
angreifende Tätigkeit der äußeren Einflüsse erstreckt sich nunmehr 
auf das ganze Bindemittel bezw. feinere Material des Sandsteins, 
lockert das ganze Gefüge und läßt ein Haufwerk von Quarz und 
1 Vergl. Erl. z. Bl. Speyer. 8. 12, 
? Vergl. hierzu die Erl. z. geol, Spez.-Karte von Preußen etc. Bl. Hersfeld, 
Lengsfeld und Göttingen und von der badischen Karte Bl. Neustadt. 
3 Hierzu treten lokal auch Wirkungen von Kluftbildungen tektonischen 
Ursprungs. 
+ A. Sauer: Erl, z. Bl. Oberwolfach-Schenkenzell d. geol. Spez.-Karte 
des Großherzogtums Baden.
	        

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