LEHMPATZEN: „Lehmpatzen sind die zweite Art von Luft- LEICHTLEHM : „Leichtlehm ist ein im Gefüge den Leicht-
steinen, die gleichfalls aus naß geschaffter Masse gemacht werden. platten aus Holzwolle ähnliches lockeres Gemenge aus dünnflüs-
Sie unterschieden sich bekanntlich von den Luftsteinen dadurch, sigem Lehmmörtel und bis zu 40 cm lang geschnittenem Stroh,
daß sie mit Stroh durchschafft sind, wodurch sie mehr Consistenz wobei der Lehm lediglich als Bindemittel und zur feuer-
erlangen und größer gemacht werden können.”! schützenden Umhüllung der den Hauptbestandteil bildenden
1) Heigelin, C.M.: Handbuch der neuesten ökonomischen Bauarten, S. 46, 1827 Faserstoffe wirkt ... Das Raumgewicht soll nicht mehr als
Tübingen 900-1200 kg/m? betragen.”
LEHMQUADER: Unter Lehmquadern verstand man groß- !) DIN 18951, Blatt 2, Nr. 14.1
formatige Lehmsteine, die gestampft wurden. „Zur Bereitung der ROTTERODER MARMOR: Scherzhafte Bezeichnung
Lehmquader und sonstigen gestampften Arbeiten muß man für Fachwerkausfachung aus Lehm. Die Bewohner des Dorfes
durchaus starke Leute anstellen, dieselben gut bezahlen und ihnen Rotterode (Thüringen) sollen sich besonders gut auf die Her-
durch Trunk zusetzen, da alle Verrichtungen dabei sehr anstren- stellung von Ausfachungen verstanden haben.
gend sind, und bei schwächlichen Arbeitern nichts geleistet wird.”!” .
1) Heigelin 1827, S. 53 SACHSEN UND THURINGEN: In Sachsen und
Thüringen war der Bau mit massiven Wellerwänden schon seit dem
Mittelalter bekannt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Weller-
Ss hl hi bau mehr und mehr die Bauweise für die Wohnbauten der kleinen
C agMasC 1n6N Leute, die sich teuere Baustoffe nicht leisten konnten. Daneben
zur rationellen Herstellung yon entstanden hier eine Fülle bautechnisch ehrgeiziger Wirtschafts-
L ehmsteine n bauten, meist als Stampfbauten. Wenn Sie von einer Reise in diese
' (Handbetrieb) Gegend mit Reiseskizzen und Fotos von Lehmbauten zurück-
Lehm quadern kommen sollten, vergessen Sie nicht den Verfasser” zu infor-
(Kraftbetrieb) - 292) mieren: Er sammelt alle Angaben für eine Dokumentation des
a Lehmbaus in Deutschland.
und sogleich Oi and a ae UN UMeraaen aus: 1) D-4930 Detmold, Nachtigallenweg 29
transportiert und’ in Stapel gestellt werden können. Die Volks-
P. Schauer, Inoenieur, Berlin-Zehlendorf, Potsdamer Str. 50. wohnung
1921
LEHMSCHINDELDACH: „Lehmschindeldach ist der
herkömmliche Name für ein Weichdach aus Stroh, das an der
Innenseite eine geschlossene Lehmschicht hat. Es besteht aus
einzelnen vorgefertigten Teilen, den Lehmschindeln, die im =
Verband verlegt sind.”
1) DIN 18957.1
SCHINKEL: Schinkels Beine und eine dünne Lehmwand
stehen im Mittelpunkt einer schrecklichen Geschichte, die sich in
einem Gasthof in Köpenick ereignete. Sein Freund Clemens
Brentano schilderte diese wenig bekannte Geschichte aus dem
Leben des Baukünstlers: „Schinkel hatte ein sehr kurzes Bette, und
als er sich in der Nacht streckte, stieß er den Fuß durch die dünne
Lehmwand in die benachbarte Stube, wo Madame Levi schlief; da
diese alte Chanoinesse in der Nacht aufstand, ihr Brevier zu beten,
hängte sie ihren altdeutschen Kopfputz mit samt der Perücke, als
sie sich wieder niederlegte, an die Beine Schinkels, die sie in der
LEHMSTEIN: (auch Luftstein, Lücker Sonnenstein, ägyp- Dunkelheit für ein Köpenicker Zapfenbrett hielt, aber die Beine
tischer Ziegel, Kothziegel, Grünling, Lehm-Handstrichstein) Der bewegten sich nachher, und der Kopfputz fiel herunter; mit unbe-
Lehmstein hatte das Format üblicher Ziegel. Lehmsteine konnten Schreiblicher Geduld stand Madame Levi sechsmal auf, um den
mit Lehm- oder Kalkmörtel vermauert werden. immer wieder fallenden Kopfputz von neuem aufzuhängen, da sie
aber endlich das Fleisch und Bein fühlte, überfiel sie ein solcher
"Abbildung mitte: Schrecken, daß sie sich in der Nacht noch aufmachte und zu Fuß
Lehmschindeldach nach Berlin zurückging. Als Schinkel heute morgen die Beine
DO zurückzog, befand sich ein Briefchen auf violettem Atlaspapier an
sicheren Lehmschin- das eine gebunden, worin die Bekenntnisse einer schönen Seele
delbedachung. »1)
Leipzig, 1833 standen ...
1) zitiert nach: Zadar, Mario: Karl Friedrich Schinkel, S. 20, 1980, Berlin
TAPPE: Der westfälische Zeichenlehrer, Grafiker, Landbau-
meister und Dichter Wilhelm Tappe (1769 - 1823), lieferte in
Deutschland die wohl originellsten Beiträge zum Lehmbau. Als
Wohnung für den kleinen Mann schlug er vor, Bauwerke in Form
eines halben Eis aus Lehmsteinen, Torf oder Rasensoden zu
errichten. Die Form hatte er gewählt, weil er auf diese Weise auf
va Gh: einen (hölzernen und leicht brennbaren) Dachstuhl verzichten
Beschreibung einer konnte und wegen der ökonomischen Vorteile und Festigkeit der
EEE Kuppel: „Daß ... in der Gestalt ein Hauptmittel liegt, die ... Festig-
Lehmziegeln. keit, Dauer und Unverbrennlichkeit zu erleichtern.” Sein erstes in
Berlin, 1790. dieser Bauweise aufgeführtes Bauwerk, eine „Hütte” in Hidessen
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