Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 67, 1911)

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der Donau unterscheidet, welche jetzt noch die Relikte der Fauna 
des pannonischen Beckens bewahrt, darf uns nicht wundern. In unserem 
Heimatlande kommt der Unterschied am deutlichsten beim Unio ba- 
tavus des Neckars und dem U. consentaneus der Donau zum Ausdruck; 
ferner fehlen der Donau die beiden Sphärien des Neckars und der 
U. tumidus. Aber wie verhält sich seine Fauna zu der des Rheins 
und des Mains? Die Najaden des Oberrheins hat Haas* vor kurzem 
beschrieben. Die Arbeit läßt erkennen, daß die Faunen der drei 
Flüsse in den Elementen sich gleich sind, aber in der Ausprägung 
voneinander abweichen. Herr Prof. Dr. W. KoszLTt, der den Anstoß 
zu einer nach Flußsystemen sich richtenden Neuaufnahme und Neu- 
bearbeitung der Najadenfaunen gegeben hat, schrieb mir: „Wie ich 
die Unionen (des Neckars) nennen soll, weiß ich nicht. Keine davon 
stimmt genau mit den Mainformen. Ich würde mich vorläufig be- 
gnügen, die alten Namen beizubehalten, aber durch den Zusatz 
suevicus oder niceri oder dergleichen als Neckarformen zu charakte- 
risieren.“ Herr Dr. F. Haas, den ich ebenfalls um eine Begutachtung 
meiner Najadenausbeute bat, spricht in seiner Antwort von Kon- 
vergenzformen zu den Muscheln des Rheins. Ich frage mich 
dabei, ob der ganze Unterschied in den Faunen tatsächlich im ge- 
schichtlichen und geographischen Hintergrund zu suchen sei, ob 
er nicht vielmehr den biologischen Verhältnissen der Gegenwart 
entspringe. Ein abschließendes Urteil ist zurzeit noch nicht 
möglich. 
Von der Fauna des Mainzer Beckens hat sich nichts in die süd- 
deutschen Flüsse gerettet, es sei denn, daß die Lartetien (Vitrellen), 
deren Vorfahren in den Sprudel- und Quellkalken am Rande des ver- 
schwundenen Tertiärmeeres zu suchen sind, den Neckar benutzt 
haben, in ihre heutigen Refugien in den Jura- und ‚Muschelkalk- 
quellen zu kommen. 
Im Hinblick darauf, daß unsere Wassermollusken sämtlich 
stenotherme Tiere sind, die von einem Klimawechsel wenig und erst 
allmählich berührt werden, und in der Erwägung, daß die boreale 
Wasserfauna sich aus viel weniger, aber weiter verbreiteten Arten 
zusammensetzt als die Landfauna, können wir auch nicht erwarten, 
daß wir in der Molluskenfauna des Neckars viele Veränderungen 
vom Eintritt des Diluviums an wahrnehmen. Immerhin sind einige 
1 Die Najadenfauna des Oberrheins vom Diluvium bis zur Jetztzeit. Inaug.- 
Diss. Frankfurt a. M. 1910.
	        

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