Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 72, 1916)

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Gebiet genügend beantwortet. Jedenfalls wirkt der hier auftretende
Fehler nicht stärker als die Ungenauigkeiten, die wir bei der Aufstellung
der Wassermengenkurven, bei der Mittelwasserbildung usw. ohnehin in
den Kauf nehmen müssen. Eine sehr plausible: Grundwassertheorie;
die sich in neueren Schriften (19) (24) (27) (33) durchweg findet, nimmt
an, daß das Grundwasser bei hohem Wasserstand vom Flusse gespeist
wird, während es bei Tiefstand Wasser an diesen abgibt. Demnach
würde das Grundwasser in der Hauptsache nur eine zeitliche Verschiebung
 des Abflusses hervorrufen. Die bei Niederwasser zuströmenden
 Grundwassermengen können sehr bedeutende Beträge erreichen;
 so fließen dem Rhein von Waldshut bis Maxau bei Niederwasser
70 cbm mehr zu, als die oberflächlichen Zuflüsse ihm zubringen. Dividiert
 man diese Menge durch die Fläche des Zwischengebiets, so erhält
man eine „Grundwasserspende“ (vergl. Tabelle 1 — Grundwasserzufluß
zum Rhein). Diese stellt nur ein Minimum dar, da als eigentlicher Grundwasserspender
 nur die oberrheinische Tiefebene, nicht die umliegenden
Gebirge in Betracht kommen. Außer durch die Rheinanschwellungen
wird dieses Grundwasser auch durch die Seitenflüsse gespeist, die beim
Austritt in die Ebene durchweg Wasser verlieren (z. B. Kinzig und Elz).
Auch in Tabelle 2 finden sich für die Gebiete mit weiten Talniederungen
im September mehrfach auffallend hohe Beträge, die als Grundwasserspeisung
 aufgefaßt werden könnten; doch sind die Daten noch zu unsicher,
 als daß man Näheres darüber sagen könnte. Bestimmend für
die Annahme, daß die Oberflächenmessungen bei der vorliegenden Untersuchung
 durch das Grundwasser nicht wesentlich gefälscht sein können,
ist ferner der Umstand, daß, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, bei
der Bestimmung der Abflußmengen nirgends Widersprüche
auftreten. Die Abflußmengen nehmen gegen den Unterlauf
des Flusses durchweg, zwar nicht gleichmäßig, aber allgemein
zu, wie es die Verhältnisse erwarten lassen. — Endlich mag darauf
hingewiesen werden, daß die Berechnung von Abflußprozenten
ohne Berücksichtigung des Grundwassers in fast
allen Publikationen ohne Bedenken angenommen worden
ist. Sämtliche Veröffentlichungen KELLER’s, FRITZSCHE’s, MAURER’,
BRÜCKNER’S, Sowie die württembergischen amtlichen Verwaltungsberichte
 betrachten das Grundwasser wohl als wichtige‘ Erscheinung
 im Wasserhaushalt, aber doch nicht als wesentlich
fälschend bei Berechnung des Gesamtabflusses.
Im gänzen genommen gebe ich mich keiner Täuschung darüber
hin, daß die Ergebnisse infolge der verschiedenen hier erwähnten Um-
            
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