Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 74, 1918)

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Grade Ilehrreich, den V.'schen Gedankengängen zu folgen. Wir 
sehen, wie der Faunist imstande ist, unter Verzicht auf geologische 
Beihilfe seine Beobachtungen zu verwerten und zu einem einheit- 
lichen Bilde zu verweben. Bevor ich den Versuch mache, mit 
sachlichen Beiträgen aus der Verbreitung der Landschnecken 
einzelne Linien in demselben hervorzuheben, sei es mir aber ge- 
stattet, einige Bedenken zu äußern hinsichtlich der Behandlungs- 
weise und der darin zutage tretenden Leitgedanken. 
a) V. geht davon aus, daß. „die Diplopoden trotz ihrer 
größeren individuellen Beweglichkeit aus Mangel an Verschleppungs- 
möglichkeiten noch viel bodenständiger seien als die Land- 
mollusken und darum befähigt, als uralte lebende Dokumente 
für ehemalige Erdzustände zu dienen, indem sie mit unübertreff- 
licher Zähigkeit alte Wohngebiete festhalten“ (S. 70). Namentlich 
sollen die Mollusken hinsichtlich der passiven Verbreitung vor den 
Diplopoden im Vorteil sein durch ihren Schleim, mit welchem sie 
sich an den verschiedensten Körpern festhalten und mit ihnen 
durch das Wasser verschleppt werden können, und durch das 
Gehäuse, das sie vor Austrocknung schützt. „Überschwemmungen, 
welche für alle Diplopoden von vernichtender Wirkung sind, haben 
einen namhaften Einfluß auf die Verbreitung der Mollusken“ (S. 70). 
Hier liegt ein Beobachtungsfehler vor, zum mindesten 
eine einseitige Einschätzung der Hochgewässer in ihrem Anteil an 
der Verbreitung der Mollusken. Zunächst sei bemerkt, daß die 
Schnecken bei jeder Beunruhigung in ihr Gehäuse sich zurück- 
ziehen, auf eine Ausnützung des Schleimes also verzichten und zu 
Boden fallen. Weil spezifisch schwerer als das Wasser, sinken 
sie dort unter und gehen zugrunde. Darum finden sich lebende 
Schnecken höchst selten im Auswurf der Flüsse. Die von den 
Schmelzwässern des Frühjahrs massenhaft abgesetzten Schalen sind 
leer und kommen für die Verbreitung nicht in Betracht. Zum 
andern treffen die von C_Essix angeführten Beispiele der Schnecken- 
verbreitung durch Flüsse, auf welche Y. sich beruft, in diesem 
Umfang nicht zu. Pomatias septemspiralis Raz. (maculatus) ist nicht 
von der Donau nach Kelheim geführt worden, weil sie oberwärts 
im Flußgebiet fehlt; der Standort ist vielmehr ein Überrest einer 
einst größeren Verbreitung in Süddeutschland (fossil bei Cannstatt) 
Helix (Patula) rupestris, eine Felsenschnecke, bewohnt nicht nur
	        

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