Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 74, 1918)

den Südrand des Jura der Donau entlang,‘ sondern hat das ganze 
Hochland noch in seinen höchsten Erhebungen am Nordwestrand 
besetzt und lebt auf Muschelkalk bei Rotenburg o. T., Würzburg 
und Schweinfurt. AH. unidentata findet sich im südlichen Bayern 
in regelmäßiger Verbreitung, angeschlossen an ihr alpines Gebiet. 
Höchstens bei H. wvillosa Drap. (»ilosa) und außerdem noch bei 
Tachea silvatica Drarp.. muß mit einer Hochwasserverschleppung im 
Rheintal gerechnet werden, weil die betreffenden Standorte außer- 
halb der übrigen Verbreitung liegen. Kurz: wir erhalten bei 
Schnecken nicht mehr nachweisbare Beispiele der Verbreitung durch 
Flüsse, als V. auch für die Diplopoden zugibt. — Wer schon große 
Hochfluten beobachtet hat, wie mir am Neckar von Kindesbeinen 
an Gelegenheit gegeben war, weiß, wie pflanzliche Trümmer vom 
Stamm bis zum Blatt und Grashalm, einzeln und in geschlossenen 
Massen, besetzt mit lebendem Kleingetier aller Art bis herauf zur 
Maus und zum Maulwurf, abgeführt werden. Je gewundener ein 
Flußlauf ist, desto rascher kann eine Überführung von der einen 
auf die andere Seite erfolgen. Im Flußgeniste wimmelt es geradezu 
von lebenden Insekten aller Art; es wird geflissentlich von Sammlern 
aufgesucht, die dort den Vorteil haben, lebende Beute zu machen, 
während der Schneckensammler nur leere Gehäuse antrifft. Schleim 
und Schale, die bei der passiven Verbreitungsweise der Schnecken 
etwa von Vorteil sein könnten, ersetzen. die Tausendfüßler im 
Kampf um die Erhaltung des Lebens durch ihre „größere individuelle 
Beweglichkeit“, die bei Überschwemmungen nicht hoch genug in 
Anschlag gebracht werden kann. 
Nach alledem. darf gesagt werden, daß die Verbreitungs- 
möglichkeiten für Diplopoden wohl dieselben sind 
wie für Mollusken und die Flußschranken auch für sie keine 
unüberwindlichen sind. Gibt doch V. selbst Beispiele von Fluß- 
überschreitungen. an (Inn S, 96, Donau. S. 97 u. 98; Rhein, Zool 
Anz. Ba. XLV No. 9, 1915, S. 405—407); was aber einzelnen 
möglich war, muß für alle in Betracht gezogen werden. 
b) Ob V. recht hat, wenn er die Verödung des vinde- 
lizischen Gaues damit begründet, er habe am meisten unter 
den Eisströmen zu leiden gehabt, weniger als der helvetische und 
norische Gau, die sich gleichfalls als alpine Gaue westlich und 
östlich diesem anschließen (S. 63 f. und Sitzungsber. Ges. naturf. Fr. 
Berlin, 1913, No. 3, S. 171), muß ich den Geologen zu entscheiden 
überlassen. Es scheint mir aber, daß V. die ökologischen
	        

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