Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 75, 1919)

181 
steifte Rückenkamm kleinere Beutetiere anlocken konnte, wenn er 
aus dem Sumpf oder aus dem Wasser einer Lagune herausragte. Es 
könnte wohl sein, daß auch seine Färbung oder Zeichnung ihn von 
der Seite einem Felsblock oder einem erhöhten oder bewachsenen 
Stück fester Erde ähnlich erscheinen ließ, den z. B. kleinere Stego- 
zephalen für einen Ruhepunkt im feuchten Element halten konnten. 
Kamen sie dem Dimetrodon in die Nähe, so stürzte er sich auf sie. 
Die Pelycosaurier finden sich stets mit Stegocephalen (sens. lat.‘ 
vergesellschaftet. Diplocaulus, der zu der Gesellschaft gehört, ist 
ain kiementragender Wasserbewohner. Der Umstand, daß die Augen 
bei Dimetrodon so sehr hoch gelegen sind wie bei Krokodilen und 
anderen häufig ins Wasser gehenden und dort liegend lauernden 
Tieren sowie die hohe Lage der äußeren Nasenöffnungen scheint 
mir für die Annahme zu sprechen, daß Dimetrodon sich oft im 
Wasser aufhielt. Als etwas erhärtend kann auch der Umstand 
gelten, daß der nah verwandte und zusammen mit Dimetrodon vor- 
kommende Edaphosaurus (= Naosaurus) am Gaumen eine typische 
Pflasterbezahnung besitzt, sich also von irgend welchen beschalten 
Wassertieren, vielleicht Krustern, nährte. 
Sei dem wie ihm wolle, ist der Rückenkamm ein Schreck- 
mittel oder ein Täuschungsmittel irgend welcher Art, er stempelt 
zusammen mit der absonderlichen Form des großen Kopfes Dime- 
frodon zu einem der merkwürdigsten Reptilien nicht nur unter 
seinen permocarbonischen Zeitgenossen, sondern unter den Vier- 
füßlern aller Zeiten. Darum wird das neu aufgestellte Dimetrodon- 
Skelett stets einen besonderen Anziehungspunkt der paläontologischen 
Universitätssammlung in Tübingen bilden. 
No. 2. Sauropoden. 
Mit 2 Abbildungen auf Taf. VII 
Die wohl in weiteren Kreisen bekanntesten aller fossilen 
Wirbeltiere sind die Riesensaurier der Vorwelt,- die phantastisch 
großen. und schweren Sauropoden mit enorm langem Hals und 
Schwanz und mit verhältnismäßig sehr kleinem Kopf. Sie gehören 
zu den sogenannten Dinosauriern, genauer ausgedrückt bilden sie 
die eine Hälfte der Ordnung Saurischia. Es’ sind elefantenfüßige 
Sumpf- und Lagunenbewohner, die sich von Pflanzen und z. T. 
vielleicht auch von Fischen nährten. Man kennt sie aus der Zeit 
vom mittleren braunen Jura bis zur obersten Kreide. Ihre Ver-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.