Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 76, 1920)

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die Bildung des Sandsteins von seiner Umlagerung: noch waren die 
Schneckensteinkerne kaum verfestigt, der Druck der sich auflagernden 
Schichten konnte sie noch plattdrücken. :- 
Ganz ähnlich liegen auch die Verhältnisse bei kalkigen und tonigen 
Ablagerungen. Auch hier können einerseits späterhin kaum mehr be- 
merkbare Umlagerungen vorkommen, wie z. B. in den häufig mit Kreuz- 
schichtung versehenen Trochitenkalken, andererseits können zwischen 
den Bildungen der einzelnen Bänke Zeiträume verstreichen, in denen 
fast nichts abgelagert wird. Auf die Bedeutung dieser Tatsache für 
die Lückenhaftigkeit der paläontologischen Überlieferung hat WErrEerR! 
neuerdings aufmerksam gemacht. Ein direktes Mittel zur Feststellung 
der Bildungsdauer fehlt auch hier, 
Einen Maßstab haben wir allerdings; es ist die Umformung des 
organischen Lebens. Nicht das Auftreten neuer Fossilien, sondern 
die an Ort und Stelle vor sich gegangene Umprägung. Neue Arten 
und Faunengemeinschaften kann aus dem tieferen Moeer fast jede Flut 
bringen, wie jeder weiß, der einmal am Sandstrande war. Ebenso ist 
der vielfach schroffe Wechsel in den Faunen der Sandsteine zu erklären. 
Wenn aber dieselbe Art, etwa eine Ammonitenspezies, in anderer Mu- 
tation in -verschiedenen Niveaus desselben Sandsteins auftritt, dann: 
haben wir es mit langer Bildungsdauer zu tun. Ob das, ganz abge- 
sehen von der Schwierigkeit, Mutation und Variation zu unterscheiden, 
im Angulatensandstein der Fall ist, vermag ich nicht mit Gewißheit 
zu entscheiden. Das Auftreten der kleinen Schlotheimien im tieferen 
Teil der Ablagerung, der Riesenformen im oberen, scheint allerdings 
für eine Umwandlung der Fauna an Ort und Stelle zu. sprechen. 
Hier sind aber den Sandsteinen z. T. mächtige fossilarme Tone 
zwischengelagert, die, Zeiten schwacher Sedimentation entsprechend, 
vielleicht zu ihrer Bildung so lange Zeit brauchten, daß inzwischen. 
eine Umprägung der Organismen stattfinden konnte. Aber selbst dann, 
wenn alle Übergänge aufgefunden werden sollten, ist keine Sicherheit, 
sondern nur eine große Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß die Um- 
wandlung wirklich hier vor sich ging. Aber ganz davon abgesehen, 
fördert uns das Erkennen der Umbildung nur insoweit, als wir sagen 
können, die Ablagerung hat in ihrer Gesamtheit lange gedauert. Wir 
wissen, daß es stenochrone und eurychrone Arten, Gattungen und Fa- 
milien gibt, daß auf Inseln die Entstehung einer neuen Rasse von Wirbel- 
' Ein wichtiger Grund für. die Lüekenhaftigkeit der paläontologischen 
Überlieferung. Centralbl. f. Min. usw. 1916. S 105 ff
	        

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