Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 76, 1920)

XVI 
Konsistenz der Nahrung — ob zäh oder mürb — orientieren, tragen 
sie zum Behagen und Unbehagen beim Essen bei; auch das Gefühl der 
Sättigung wird durch Ermüdung der Kaumuskeln mit herbeigeführt, 
worauf bekanntlich das während des Kriegs viel geübte Fletschern 
beruht. Unsere Bewegungen stehen alle in Verbindung mit Gefühls- 
nerven; entweder derart, daß sie als Reflexbewegungen auf die Reizung 
eines Gefühlsnerven entstehen, oder daß sie als willkürliche Bewegungen 
von den Gefühlsnerven beeinflußt und kontrolliert werden, Die Reflexe 
sind teils von unserem Willen ganz unabhängig, wie die Pupillenbewegung, 
Sehnenreflexe, Zusammenziehung und Erschlaffung der Gefäßmuskulatur ; 
teils können sie willkürlich herbeigeführt und bis zu einem gewissen 
Grad unterdrückt werden, wie Lidschluß, Lachen, Husten; wieder andere 
können nicht willkürlich herbeigeführt, aber, wenn der Reiz eine gewisse 
Grenze nicht überschreitet, willkürlich unterdrückt werden — Weinen 
und Niesen. . Bei den willkürlichen Bewegungen ist die Auswahl der 
sich zusammenziehenden Muskeln, die Stärke und Dauer ihrer Zusammen- 
ziehung fortwährend unter Kontrolle der sensiblen Nerven; aber diese 
Beeinflussung geht rein im Unterbewußtsein vor sich. Unser Wille ist 
nur nach dem Ziel gerichtet; alle zu dessen Erreichung nötigen Be- 
wegungen gehen scheinbar von selbst vor sich. Je genauer das Ziel 
ins Auge gefaßt wird, um so sicherer wird es erreicht. Damit die zur 
Erreichung des Ziels nötigen Bewegungen zweckmäßig und gewandt aus- 
fallen, ist eine genaue Innervation nötig, deren Größe auf Grund früherer 
Erfahrung und Übung abgeschätzt werden muß, da ja der Nervenstrom 
vor Beginn der Bewegung eingeleitet wird, wie dies an der Innervation 
der Kehlkopfmuskulatur beim Singen genauer erläutert wird. 
Zwischen den Reflex- und den willkürlichen Bewegungen stehen 
die automatischen Bewegungen, die — einmal eingeleitet — von selbst 
ohne neuen, bewußten Willensimpuls weitergehen. Dahin gehören die 
Atembewegungen und die Bewegungen der Beine beim Gehen, Sie stehen 
aber doch unter der Kontrolle des Willens; sie können jederzeit unter- 
brochen werden — die Atembewegungen allerdings nur auf ganz kurze 
Zeit —; sie können in ihrer Frequenz willkürlich gesteigert oder, wie 
die Gehbewegungen, in eine andere Richtung gelenkt werden. Dieser 
automatische Ablauf bedeutet eine große Ersparnis für die Großhirn- 
tätigkeit. E. Müller. 
(Ein wortgetreuer Abdruck des Vortrags findet sich in „Besondere 
Beilage des Staats-Anzeigers für Württemberg“ No. 8 vom 31. ‚Juli 1920 
8 164—) 76.) 
Nach kurzer Erörterung, an der sich Prof. Dr. M. Schmidt, 
Oberstudienrat Entreß, Prof. Dr. A. Krämer und Prof. Dr. Gmelin 
beteiligten, legte an Stelle des durch eine dienstliche Reise verhinderten 
Prof. Dr. Sauer Landesgeologe Dr. Bräuhäuser einige, der Mineralien- 
sammlung der Techn. Hochschule neuerdings zugekommene, besonders 
schöne Mineralstufen aus dem Schwarzwald vor und besprach ihr Vor- 
kommen und ihre Entstehune.
	        

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