Volltext: Deutsche Portland-Cement- und Beton-Industrie auf der Düsseldorfer Ausstellung 1902

die Kunstsandsteinfabrikation nach dem Verfahren von E. Schwenk 
und Schobinger & Rehfuss in Ulm grossen Aufschwung, Dieses 
Verfahren beruht auf der Verwendung künstlicher, farbiger Sande, 
welche durch Zerkleinerung von wetterbeständigen farbigen Kalk- 
steinen und Marmorarten hergestellt werden. Die Werkstücke werden 
etwas grösser geformt und im halberhärteten Zustande vom Steinmetz 
wie der natürliche Stein bearbeitet. Sie erhalten vollständig Farbe 
und Aussehen des natürlichen Steines. 
Angesichts der Thatsache, dass Denkmäler der Baukunst wie das 
Heidelberger Schloss in Folge der Verwitterung des verwendeten natür- 
lichen Sandsteins reitungslos dem Verfall geweiht sind, kann nur ’ge- 
hofft werden, dass die kaum begreifliche Abneigung und das Miss- 
trauen gegen einen -derartigen‘ künstlichen ausgezeichnet wetter- 
beständigen Stein einer besseren Einsicht weichen möge. 
Eine grössere Bedeutung noch als die Fabrikation der Cement- 
waren hat im Laufe der letzten zwanzig Jahre die deutsche Beton- 
industrie gewonnen. Die fortschreitende Steigerung der Qualität des 
Portlandcementes und die durch die Arbeiten des Vereins deutscher 
Portlandcement-Fabrikanten auch auf dem Gebiete der Cement- 
verarbeitung gewonnene Erkenntnis kam ihr sehr zu statten. 
In Württemberg, wo noch heute die Cementwaren- und Beton- 
fabrikation am stärksten ausgebildet ist, wurde Stampfbeton bereits in 
den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bei Eisenbahnbauten 
und Wasserversorgungsanlagen verwandt. Im Jahre 1868 und 1869 
bot die Erbauung der Wasserleitung in Wiesbaden auf Veranlassung 
des damaligen Stadtbaumeisters Fach Gelegenheit zur umfangreichen 
Verwendung grösserer Cementröhren und 1882 zur Erbauung des 
ersten grösseren Wasserbehälters aus Portlandcement-Stampfbeton, und 
die günstigen Erfahrungen, welche man hierbei und bei Herstellung 
wasserdichter Keller bei einem Grundwasserdruck bis zu 2,5 Meter 
Höhe machte, führten zu immer grösseren und kühneren Beton-Con- 
structionen, die erwiesen, dass der gut und sachgemäss verarbeitete 
Beton an Wiederstandsfähigkeit gegen Druck- und Zugspannungen 
dem bis dahin fast ausschliesslich zu wasserdichten Bauten verwendeten 
Cementmauerwerk weit überlegen ist. 
Die ersten Gasbehälterbassins aus Beton wurden in Deutschland 
Ende der siebenziger Jahre durch die Heilbronner Baugesellschaft er- 
baut, ihnen folgte als erster grösserer Bau dieser Art im Jahre 1883 
das Gasbehälterbassin in Chemnitz. Diese Bauten fanden in Fach- 
kreisen soviel Anklang, dass in den folgenden Jahren eine sehr grosse 
Anzahl solcher Bassins grösster Art ausgeführt wurden. 
Der Betonbau beschränkte sich aber nicht mehr auf wasserdichte 
Bauten dieser Art, sondern machte bald auf allen anderen Gebieten dem 
Mauerwerk erfolgreich Concurrenz, so namentlich auf dem Gebiete des 
Brückenbaues, wo durch die Constructionen und Ausführungen des 
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