die Kunstsandsteinfabrikation nach dem Verfahren von E. Schwenk
und Schobinger & Rehfuss in Ulm grossen Aufschwung, Dieses
Verfahren beruht auf der Verwendung künstlicher, farbiger Sande,
welche durch Zerkleinerung von wetterbeständigen farbigen Kalk-
steinen und Marmorarten hergestellt werden. Die Werkstücke werden
etwas grösser geformt und im halberhärteten Zustande vom Steinmetz
wie der natürliche Stein bearbeitet. Sie erhalten vollständig Farbe
und Aussehen des natürlichen Steines.
Angesichts der Thatsache, dass Denkmäler der Baukunst wie das
Heidelberger Schloss in Folge der Verwitterung des verwendeten natür-
lichen Sandsteins reitungslos dem Verfall geweiht sind, kann nur ’ge-
hofft werden, dass die kaum begreifliche Abneigung und das Miss-
trauen gegen einen -derartigen‘ künstlichen ausgezeichnet wetter-
beständigen Stein einer besseren Einsicht weichen möge.
Eine grössere Bedeutung noch als die Fabrikation der Cement-
waren hat im Laufe der letzten zwanzig Jahre die deutsche Beton-
industrie gewonnen. Die fortschreitende Steigerung der Qualität des
Portlandcementes und die durch die Arbeiten des Vereins deutscher
Portlandcement-Fabrikanten auch auf dem Gebiete der Cement-
verarbeitung gewonnene Erkenntnis kam ihr sehr zu statten.
In Württemberg, wo noch heute die Cementwaren- und Beton-
fabrikation am stärksten ausgebildet ist, wurde Stampfbeton bereits in
den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bei Eisenbahnbauten
und Wasserversorgungsanlagen verwandt. Im Jahre 1868 und 1869
bot die Erbauung der Wasserleitung in Wiesbaden auf Veranlassung
des damaligen Stadtbaumeisters Fach Gelegenheit zur umfangreichen
Verwendung grösserer Cementröhren und 1882 zur Erbauung des
ersten grösseren Wasserbehälters aus Portlandcement-Stampfbeton, und
die günstigen Erfahrungen, welche man hierbei und bei Herstellung
wasserdichter Keller bei einem Grundwasserdruck bis zu 2,5 Meter
Höhe machte, führten zu immer grösseren und kühneren Beton-Con-
structionen, die erwiesen, dass der gut und sachgemäss verarbeitete
Beton an Wiederstandsfähigkeit gegen Druck- und Zugspannungen
dem bis dahin fast ausschliesslich zu wasserdichten Bauten verwendeten
Cementmauerwerk weit überlegen ist.
Die ersten Gasbehälterbassins aus Beton wurden in Deutschland
Ende der siebenziger Jahre durch die Heilbronner Baugesellschaft er-
baut, ihnen folgte als erster grösserer Bau dieser Art im Jahre 1883
das Gasbehälterbassin in Chemnitz. Diese Bauten fanden in Fach-
kreisen soviel Anklang, dass in den folgenden Jahren eine sehr grosse
Anzahl solcher Bassins grösster Art ausgeführt wurden.
Der Betonbau beschränkte sich aber nicht mehr auf wasserdichte
Bauten dieser Art, sondern machte bald auf allen anderen Gebieten dem
Mauerwerk erfolgreich Concurrenz, so namentlich auf dem Gebiete des
Brückenbaues, wo durch die Constructionen und Ausführungen des
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