Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 77, 1921)

XXI 
Sitzung am 9, Mai 1921. 
Oberbaurat E. Canz sprach über die Bedeutung des Wassers. 
für das Pflanzenwachstum. 
Gegenwärtig ist viel von Wasserstraßen und Wasserkräften die 
Rede und auch die Wasserbesehaffung zu Genuß- und Reinigungszwecken 
wird viel besprochen. Man gewinnt dabei den Eindruck, als diene das 
Wasser ‚nur diesen technischen Zwecken, und beachtet nicht immer die 
überaus wichtige Rolle, die ihm in unserem Wirtschaftsleben als dem 
Hauptfaktor des Pflanzenwachstums zukommt. Die Höhe unserer Ernte- 
erträge richtet sich weniger nach der Menge der im Boden enthaltenen 
Pflanzennährstoffe als nach der den Pflanzen in der Vegetationszeit zur 
Verfügung stehenden Wassermenge. Die zeitweise beängstigende Trocken- 
heit der letzten Jahre und Monate neben der Notwendigkeit in Zukunft 
mit den innerhalb unseres Gebiets erzeugten Nahrungs- und Futtermittel- 
mengen auskommen zu müssen, zwingt dazu, dem Wasserbedürfnis unserer 
Kulturpflanzen größere Beachtung zu schenken und auf Mittel zu sinnen, 
die durch den Mangel an Niederschlägen verursachten Schäden und Ge- 
fahren möglichst zu vermeiden, Die Fähigkeit der verschiedenen Boden- 
arten, Wasser aufzunehmen und festzuhalten, hängt wesentlich von ihrer 
Korngröße, d, i. von der Größe der- sie zusammensetzenden kleinsten 
Teilchen ab. Enthält der Boden nur das von den letzteren an ihrer 
Oberfläche hygroskopisch festgehaltene Wasser, so kann sich die Pflanze 
nicht mehr am Leben erhalten, da ihre Wurzeln nicht imstande sind, 
dieses Wasser dem Boden‘ zu entziehen. Enthält er so viel Wasser, 
daß die Pflanze zwar noch am Leben bleibt, sich aber im Zustand des 
Welkens befindet und keine organische Masse mehr erzeugt, so bildet 
dieser Zustand, die Welkegrenze, einen guten Ausgangspunkt, um 
das Verhältnis des Bodens zum Wasser zu beurteilen. Es wurde fest- 
gestellt, daß der Wassergehalt des Bodens an der Welkegrenze etwa 
das Doppelte des hygroskopisch festgehaltenen Wassers ist, und daß er 
mit der Bindigkeit des Bodens zunimmt. Um ein ungestörtes Pflanzen- 
wachstum zu ermöglichen, muß der Boden einen die Welkegrenze über- 
steigenden Wassergehalt haben. Der Wasserbedarf der Kulturpflanzen 
ist nun verschieden und die Regelung der Bodenfeuchtigkeit nach den 
jeweiligen Bedürfnissen der Pflanze ist von hoher Bedeutung. Redner 
macht Angaben über die Zeit des größten Wasserbedarfs der wichtigsten 
Kulturpflanzen, der beispielsweise beim Getreide in der Zeit des Schossens 
am größten und auch während der Blüte noch erheblich.ist, aber erst 
nach der Körnerausbildung nachläßt. Was den Wasserverbrauch der 
Pflanze im ganzen ‚(einschließlich der Bodenverdunstung) betrifft, so 
oraucht nach KrüGEer für das Hektar: Roggen 2940 cbm für eine gewöhn- 
liche Ernte bis 4780 cbm für eine außergewöhnliche, große Ernte, 
Hafer ebenso 3550 bis 6800 cbm, Kartoffel 5120 bis 6720 cbm, Rübe 
5600 bis 7200 cbm, Wiesenheu 8000 bis 9600 cbm Wasser. Aus diesen 
Zahlen ist ersichtlich, welch außerordentlich große Wassermassen das 
Pflanzenwachstum erfordert. Vergleicht man nun die Niederschläge unserer
	        

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