Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 77, 1921)

XXI 
Gebiete mit dem Wasserbedürfnis der Kulturpflanzen, so ergibt sich die 
Notwendigkeit, mit dem Wasservorrat des Bodens sparsam umzugehen 
und alle Mittel anzuwenden, ihn zu erhalten. ‚Die Niederschlagszahlen 
für die Vegetationsmonate April bis September zeigen auch — bei 
Berücksichtigung des oberflächlichen Abflusses, der Versickerung in die 
Tiefe und des Verdunstungsverlustes —, daß zur Deckung des Wasser- 
bedürfnisses der meisten Kulturpflanzen unter normalen Verhältnissen 
schon der während der Wintermonate gefallene und vom Boden auf- 
genommene Niederschlag, die sog. Winterfeuchte beigezogen werden muß, 
woraus weiterhin die Bedeutung der wasserhaltenden Kraft des Bodens 
erkannt wird. Da jedoch nur ein Teil der Winterfeuchte zur Verfügung 
steht, so reicht für Kulturpflanzen mit größerem und erst spät hervor- 
tretendem Wasserbedürfnis in unserem Klima die Wassermenge für eine 
Großernte nur selten zu, zumal da der Ernteertrag schon durch kurze 
Durstzeiten stark herabgesetzt wird. Soweit also in trockenen‘ Jahren 
das Wasserbedürfnis nicht aus den tiefen Bodenschichten durch kapillare 
Wasserhebung gedeckt werden kann, -ist die Gefahr des Wassermangels 
groß und der eintretende Ernteausfall bedeutend. Dies gilt namentlich 
für Böden von geringer Wasseraufnahmsfähigkeit und solche, in denen 
der Grundwasserstand ein tiefer ist, so daß er von den Wurzeln nicht 
erreicht werden kann. Die in letzter Zeit vielfach geforderte und von 
autoritativer Seite als möglich bezeichnete Verdoppelung unserer Ernte- 
erträge wird daher wesentlich davon abhängen, ob es möglich ist, den 
Gewächsen die für die gesteigerte Ernte nötige doppelte Wassermenge 
zur Verfügung zu stellen. Es ist zurzeit dringend nötig, auf die 
produktionsfördernde Eigenschaft des Wassers hinzuweisen, damit 
nicht die einseitige Auffassung Platz greift, das in unsern Flüssen und 
Bächen rinnende und in den Sammelbecken aufgespeicherte Wasser sei 
nur geeignet, Schiffe zu tragen und Räder zu treiben. —- 
An den beifälligst aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Aus- 
sprache, an der sich die Herren Direktor v. Strebel und Prof. Eichler 
beteiligten. — 
In einem zweiten Vortrag legte Assistent Dr. Berckhemer eine 
Reihe tertiärer Pflanzenreste vor, die neuerdings in den vulkanischen 
Tuffmaaren bei Erkenbrechtsweiler, in Grabenstetten und Hengen ge- 
funden worden sind (s. unten S. 71). E.
	        

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