Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 77, 1921)

XXIV 
Oberschwäbischer Zweigqverein für vaterländische Naturkunde. 
Exkursion am 11. Juli 1920 an den Bodensee. 
Das Hauptziel der Exkursion war das Institut für Seenforschung 
und Seenbewirtschaftung in Langenargen. In den von dem Institut bereit- 
gestellten und von der Dampfpinasse des Reichswasserschutzes geschleppten 
Booten wurden die ca. 40 Teilnehmer auf den See hinausgeleitet, wo der 
technische Leiter des Instituts, Dr. V. Bauer, Mitteilung über Ziele 
und Aufgaben des neuen Unternehmens machte und die Arbeitsmethoden 
wie die bisher erzielten Forschungsergebnisse unter Vorführung der ver- 
wendeten Apparate schilderte. Es handelt sich um Messungen und Unter- 
suchungen von Temperatur, Strömung und chemischer Beschaffenheit des 
Wassers, um festzustellen, in welcher Tiefe, bei welchen Wärmegraden, 
zu welcher Jahres- und Tageszeit die verschiedenen als Hauptnahrung 
für die wichtigsten Fischarten dienenden Organismen im Bodensee vor- 
kommen, um dem Fischereigewerbe für die wirtschaftliche Ausnützung 
des Fischwassers wertvolle Anhaltspunkte und Richtlinien geben zu 
können und gleichzeitig der Wissenschaft zu dienen. Nach Rückkehr 
an Land gab Prof. Dr. Kleinschmidt im Institut interessante Auf- 
klärungen über das Rhein-Rinnsal im Seeboden, das ‚bezüglich Ausdehnung 
und Tiefe (60 m tief, 400 m breit, 20 km lang) nur von dem Rinnsal 
des Rhone im Genfer See übertroffen wird, — Man hatte Gelegenheit, 
die von der Ausfahrt mitgebrachten tierischen und pflanzlichen Mikro- 
organismen unter dem Mikroskop zu beobachten. — Nach dem Mittags- 
mahl im Hotel Späth erfolgte die Rückfahrt nach Friedrichshafen, wo 
dem Bodenseemuseum und der mineralogischen Sammlung des Baurats a. D. 
Hiller ein Besuch abgestattet wurde, bis die Abendzüge die Teilnehmer 
wieder heimwärts führten. 
Versammlung am 1. Dezember 1920 in Aulendorf. 
In seiner Begrüßung der Versammlung gedachte der Vorsitzende 
Med.-Rat Dr. Groß der Verluste, die der Zweigverein durch den allzu- 
frühen Tod der Herren Dr. Zengerle- Ravensburg und Med.-Rat 
Dr. Kästle- Wangen erlitten hat. 
Als erster Redner sprach.Prof. Rauther über „Die Steinheimer 
Planorben und die Deszendenztheorie“. 
Einleitend wurden die Schwierigkeiten einer abstammungsmäßigen 
Deutung der im System vielfach zutage tretenden Verwandtschafts- 
beziehungen „über Kreuz“ erörtert und über die Hypothese von 
W. Lubosch referiert, wonach diese, auf Grund neuerer Einsichten in 
den genealogischen Zusammenhang der Organismen und der Tatsachen 
der modernen Variabilitäts- und Vererbungslehre, durch Kreuzungen, die 
während der Mutationsperioden erfolgen, verständlich zu machen seien.
	        

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