XLV
sich auch hier indirekte, vorbeugende Maßnahmen und direkte Bekämpfungsmethoden
unterscheiden. Die ersteren bestehen in Auswahl der geeigneten,
standortsgemäßen Sorten, in Methoden der Anpflanzung, Ernährung,
besonderen Kunstgriffen, z. B. Pfropfung unserer Reben auf amerikanische
Rebwurzelstöcke, die unter der Reblaus weniger leiden. Wichtig ist ferner,
den Schädlingen den Zugang zu ihren Brut- und Ernährungsstätten zu
verwehren: durch mechanischen Abschluß, durch Imprägnation von
Samen und Vorräten mit Giften (z. B. der Wolle mit „Eulan“‘“ gegen Mottenfraß),
durch Leimringe, die gleichzeitig auch als direkte Bekämpfungsmittel
dienen. Durchschlagend kann der Erfolg damit gegen Frostspanner
und Kiefernspanner sein, wenn die Methode einheitlich, rechtzeitig und mit
gutem Material ausgeführt wird.
Der Vortragende gab dann eine Übersicht über die Bekämpfungsmethoden
und Mittel, unter denen die chemischen eine immer größere
Bedeutung erlangen. Sie werden gasförmig, flüssig oder in Pulverform
verwandt. Gegen Vorratsschädlinge und Hausungeziefer u. a. haben sich
Schwefeldioxyd, Blausäure und ihre Derivate hervorragend bewährt. Den
in den Gipfeln der Waldbäume hausenden Kiefereulen, Nonnenraupen usw.
rückt man neuerdings vom Flugzeug aus zu Leibe. Die befallenen Bäume
werden von diesem aus z. B. mit hochgiftigem Calciumarsenat gepudert,
das die Raupen mit der Nahrung aufnehmen. Die Bekämpfung der Schädlinge
durch Schonung und Vermehrung ihrer natürlichen Feinde (biologische
Bekämpfung) ist stets im Auge zu behalten, jedoch werden sich große
autochthone Kalamitäten kaum damit in wünschenswerter Zeit beseitigen
lassen.
Von den nützlichen Insekten kommen der Honigbiene und den
Seidenspinnern größere Bedeutung zu. Der Wiederbelebung der Seidenspinnerzucht
in Deutschland steht der Redner sehr skeptisch gegenüber.
Am Schluß erörterte dieser Organisationsfragen der angewandten Entomologie
und die Entwicklung dieser Wissenschaft in Deutschland.
In der Aussprache gab Min.-Rat Dr. v. SCHEURLEN noch einige Hinweise
auf die bei der Bekämpfung von Schädlingen mit Giftstoffen gebotenen
Vorsichtsmaßregeln. Der Vorsitzende, Prof. RAUTHER, betonte
die mit der Ausbreitung der Kolonisation und der Rationalisierung der
Bodenkultur ständig wachsende Bedeutung der angewandten Zoologie.
Deutschland behauptete bisher auf den Gebieten der medizinischen, landund
forstwirtschaftlichen Entomologie einen ehrenvollen Platz, der nicht
verloren gehen sollte. Auch für Württemberg wäre ein Institut für angewandte
Entomologie, als Vermittler zwischen Wissenschaft und Praxis,
sehr wünschenswert. Vogel.
22.März 1926. — Prof. Dr. Kleinschmidt sprach über Örtliche
Klimaeinflüsse in Süddeutschland.
Der Vortragende behandelte zunächst den Einfluß des Bodensees
auf das Klima seiner Umgebung, der auf dem verschiedenen Verhalten von
Wasser und Land der Sonnenstrahlung gegenüber beruht. Das Wasser
wird nur langsam erwärmt, doch dringt die Sonnenwärme tief ein, wird
aufgespeichert und nur langsam (bei Nacht und im Winter) abgegeben.