Volltext: Die Baumeisterin Pallas/ Oder Der in Teutschland erstandene Palladius, Das ist: Des vortrefflich-Italiänischen Baumeisters Andreae Palladii Zwey Bücher Von der Bau-Kunst : Deren Erstes I. Von denen Materialien/ die zu dem Bauen insgemein gehören ... Das Zweyte tractiret I. Von denen Zierrathen der gemeinen Gebäue ... / Ins Teutsche nach dem Italiänischen übersetzet/ Mit ... dazu gehörigen Figuren erbaulich ausgerüstet/ und Zum erstenmal an den Tag gegeben/ Durch Georg Andreas Böcklern/ Archit. & Ingenieur

Cap.XXV11, Das 1, Buch. 59 
richten muß. Jns gemein werden die Camin/so mit zweyenWinckelrrechten Flügeln an eineWand gebautek/ 
mitgufenn dürren'Büchenholk(wo man eshabenkan)oder mitEichen/Bircken/oder anderem Holk/so keine 
springende Kohlen haf / auf Brandreitkel ligend/ auch/ in Mangel Holtes/ mit Torff/ wie in Holland ges 
bräuchlich/angefeuret, Diejenigen Camin aber/so in ein Eck und nach dem Zirckel gebauet/und nur (wie 
gesagt) in fleine Gemzächer/ Kammern/ Cabinet/ und dergleichen/geseßet/ werden von autem vürren Hols/ 
sokurß und nur eines Armes lang geschnitten/aufrecht gestellet/und gleichsam wie einePyramiszugespißet/ 
angefeuret. Jn Holland/ und grossen Städten/ woman das Brennholß nicht wol haben kan / gebraucht 
manzu allerley Gaminen das Torsf/ so von einer schwammigken Erde/ vollerkleinen Wurkeln / in Form 
dergebachenen Steine ausgestochen/undhernach an der Sonnegedörret worden 5 welches zwar ein Feuer 
lang behält/und die Gemächer ziemlich damit erwärmet werden können / jedoch giebt es nur einen hißigen 
warmen Dampff/und ermangelt der Feuerflamme/ist auch nicht so gesund / als ein hellbrennendes Feuer 3 
über dieses/so hat es einen bitternGeruch/so sich in dieGemächer/Kleider/Mobilien/und anderedergleichen 
Sachen/anhängek/und die Lusft nicht so wol/ als voriges/reinigek. 
4. Die Zierrathen bekresfende/so macht man dieselbige entweder nur schlecht und glaft/ mit einer simpe- 
sen Einfassung/oder aber mit gevierdten oderrunden Seulen/ und solches nach den Negeln der Baukunst/ 
von den fünff Orden solcher Seulen, Wasdie Materi zu Aufoauung der Caminen anbelanget/so werden 
dieselbige ins gemein von Sand-und gemeinen Mauer-Steinen gemacht 3 diejenigen aber/so man von ge» 
bachenen Steinen mauret/halfen zwar grosse Hitze / brennen sich aber gerne aus / und zünden das Gebälk 
an/wo sie nahe an dasselbige geseßek werden 5 derowegen sich der Hausvatter / bevorab der Baumeister ol 
zu hüten haf/indeme durch dergleichen Fehler viel vornehme Gebäu in die Aschen geleget worden/ und groß 
ser Schade dardurch geschehen ist. Exliche machen die vordere zwo Neben-Seiten des Camins/ von ganß 
zierlich auszehauenen Skeinenz andereabermachen die Zierrathen des Gesims / Leisten und dergleichen? 
gegen der Stirn/von Holt/überziehen es hernach mit Gips und Kreiden-Werck/ und verwahrens innen» 
wendig vor demFeuerz dieses ist aber nicht rathsam/weilen man oft daran zu flicken haf/und wegen desFeuers 
stetige Sorge darzu haben muß, 
Nota. Bey Augzterung der Camin/solle der Baumeister keine Satyr-abscheulihe Fraßen-Gesichter / Thermes/ 
und dergleichen/ machen lassen/ sondern fich der hangenden Früchten / Blumen-Werck / oder anderer 
zierlichen Grodeskengnd &aubwerc>s/ bedienen/damit den Weibspersonen kein Abscheu dadurch ver- 
Ursache werden dörffte. ) 
5. Was den Nußen der Caminen anbetriffe/so haben wir bereits ohen erwehnetk/daß ein angezündes 
tesoffenes Feuer den Lufft clarificire/und die bdsen Dämpffeim Gemach vertreibe/auch das Gemüth/und 
die Augen des Menschen erfrische/und in vielen andern Stücken/den gemeinen Oefen/in den Stuben und 
andern Gemächern/vorzuziehen seye/derowegen nichtnötbig erachten/solches mit ferneren Umständen wei- 
fer auszuführen/ohnerachtet der verliebten Personen/bevorab der Toback-Brüder. 
.* 6. Denrauchenden Caminen zu helffen/so haf man vor allen Dingen diejenigen Ursachen zu wissen? 
welche den Rauch verursachen/ nemlich? 1. Wannder Caminzu flach/die Röhre zu eng/und die Stirn? 
Höhe zu hoch/so folget unfehlbar daraus/daß die Uberhäuffung und Vermehrung des Rauchs nicht genug- 
samdurch die enge Röhrehinaufsteigen/sondern durch die hohe Oeffnung der Stirnwand in das Gemach 
gehen muß. 2, Wann neben/über/oder unter diesem Cammin / aufder Seite / noch eineandere Neben- 
Röhreeines Rauchfangs herauf/und nicht weit von dem Schlund dieses Caminsin dessen Röhre gehet/ so 
wirdenfweder der Lufft in die Idteben-Röhre/ oder aber der Rauch in derselbigen fich heraufs und. in diesen Ca- 
minziehen/und also den Rauch dieses Camins wieder zuruck freiben/und indas Gemachgehen/ ehe und be- 
vor er sich hinaufziehen wird. 3. Wannoben der Hut auf der Camin-Röhre/ gegen derSonne/TVind/ 
Regen/ und dergleichen / zu viel Oeffnung hat/ so wird solches ebenmässig den Rauch zuruck schlagen / und 
nicht herauslassen. 4. Die vordere Höheoder Dessnung des Camins/gegen der Sftirn/ soll sich nach der 
Tiesfe des Camins richken/aber aufs wenigste drey Schuh/und nicht höher als vier/sünff bis sechs Schuh 
gemaeher werden, Also auch die Tieffe des Camins soll nicht zu fach/und nicht wolunter zwey Schuh. gs- 
machef seyn. | | 
Oamit man nun den Rauch in allettt vorkommen könne / solle der Hut aufder Camin- Röhre oben 
allenthalben zu seyn/und nur aufden vier Seiten unter sich hangende Löcher haben / gleichsam als eines 
Menschen Na!e/damit weder Regen/Wind noch Sonne darein kommen könne. Der/erd des Camins 
solleunter dem Feuer/ohngefehr fast einen Schuh/acht oder neun Zoll tieff/ und ein gevierdt Loch/ ein oder 
anderthalb Schuh/jenach deme der Camin groß oder klein ist/mit.einem starcken eisern Rost/ (db man. aus 
heben kan/ haben/ damit man die Aschen ausnehmen könne. Unter dem Rost/sollen auf den dreperi Seis 
ken des Camins/ Lufftlöcher/Arms weit hineingefähret/und nur vongebachenemStein/wanneinHoltß? 
wer> unter dem Fußboden ist/gemacht werden/damit/wann das Feuer angemacht / stetig der Winvoder 
Lusftim Ghemach nachfolge/das Feuer anblase/und zugleich den Rauch mit Gewalt über sich freibez . durch 
dieses Miktelwird auch der böse Geruch/soekwan in dem Gemachist/ausgesühret. „. 
Je fieffer die Camin in die Mauren können hineingeseßef werden/jebesserfässen sie den Rauch/.1md 
ich lassen denselbigen nichkin das Gemach 3; man muß aber darbey nicht vergessen/daß man denCamzim-Stehos 
il oder die Stirn-Wand des Camins/nicht zu hoch/sondern nach obgeseßter wn niedrig mache/als fam 
[77] 2 Janz
	        

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