16 BEZIEHUNG ZWISCHEN BAUTEN, MONUMENTEN UND PLÄTZEN.
des hierüber vorhandenen Stoffes sei nur eines, ohne besondere
Wahl, herausgegriffen: das Rathhaus zu Breslau mit dem
Marktplatz (Fig. 6), dessen Bild genugsam die vielfältigen
malerischen Reize vorführt, welche dieser Vereinigung entspringen.
Bei dieser Gelegenheit sei eine kleine vorgreifende Bemerkung
gestattet. Es ist nicht vorgefasste Tendenz dieser
Untersuchung, jede sogenannte malerische Schönheit alter
Städteanlagen für moderne Zwecke neuerdings zu empfehlen,
denn besonders auf diesem Gebiete gilt das Sprichwort: Noth
bricht Eisen. Was sich aus hygienischen oder anderen zwingenden
Rücksichten als nothwendig herausgestellt hat, das
muss geschehen und sollen darüber noch so viele malerische
Motive über Bord geworfen werden müssen. Diese Ueberzeugung
darf uns jedoch nicht hindern, alle, auch blos malerische
Motive des alten Städtebaues genau zu untersuchen
und in Parallele mit den modernen Verhältnissen zu setzen,
damit wir ganz klar sehen, wie die Frage auch nach ihrer
künstlerischen Seite hin steht, damit wir bestimmt erkennen,
was sich denn für uns von den Schönheiten des alten Städtebaues
etwa noch retten lässt, und das wenigstens als Erbgut
festhalten. Dies vorausgesetzt, bleibe es an dieser Stelle noch
dahingestellt, was und wie viel wir von den Motiven unserer
Vorfahren auch heute noch verwenden können; dagegen sei
vorläufig rein theoretisch festgestellt, dass in Mittelalter und
Renaissance noch eine lebhafte praktische Verwerthung
der Stadtplätze für öffentliches Leben be
stand und im Zusammenhange damit auch eine Uebereinstimmung
zwischen diesen und den anliegenden
öffentlichen Gebäuden, während sie heute höchstens noch
als Wagenstandplätze dienen und von einer künstlerischen
Verbindung zwischen Platz und Gebäuden kaum mehr die
Rede ist. Heute fehlt die mit Säulenhallen umgebene Agora
bei den Parlamentshäusern, die weihevolle Ruhe bei den Universitäten
und Domen, das Menschengedränge mit aller Geschäftigkeit
des Marktlebens bei den Rathhäusern und über-