Full text: Die Königliche Bergakademie zu Clausthal, ihre Geschichte und ihre Neubauten

l. Das Lyzeum zu Clausthal im 18. Jahrhundert. 
Unterrichtskurse für Berg- und Hüttenleute 1775—1810. 
Schon am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte sich wie im Erzgebirge, so auch 
in dem anderen alten Zentrum des deutschen Erzbergbaus, dem Harze, das Be- 
Jürfnis geltend gemacht, den technischen Berg- und Hüttenbeamten, welche bisher 
lediglich praktisch vorgebildet worden waren, auch eine wissenschaftliche Aus- 
bildung zu geben?!). Diesem Bedürfnis, welches im Erzgebirge zur Gründung der 
rasch aufblühenden Bergakademie zu Freiberg (1766) führte, suchte in der Berg- 
stadt Clausthal, dem Mittelpunkt des Harzer Bergbaus, zunächst das Lyzeum 
durch ausgiebige Pflege der mathematischen und naturwissenschaftlicher. Fächer 
mit besonderer Berücksichtigung des Bergwesens so weit als möglich zu genügen“). 
Einem Lehrer und Rektor des Lyzeums, Henning Calvör®), gebührt ein ehren- 
voller Platz in der Vorgeschichte der Bergakademie. 
Der Theologe Henning Calvör (geb. 1686 zu Silstedt bei Wernigerode, 
1713 Konrektor und 1725 Rektor zu Clausthal, seit 1729 Pfarrer zu Altenau, wo 
er 1766 starb) machte sich mit den »zum Bergwerk gehörigen mathematischen 
Wissenschaften«, in welchen er am Lyzeum zu Clausthal zu unterrichten hatte, in 
solchem Maße vertraut, daß er als erfolgreicher Schriftsteller auf dem Gebiete des 
Bergwesens auftreten konnte. 
In Altenau vollendete Calvör sein Hauptwerk, welches im Jahre 1763 in 
zwei Foliobänden erschien; es führt den Titel: »Acta historico-chronologico-mecha- 
nica circa metallurgiam in Hercynia superiori oder Historisch-chronologische Nach- 
richt und theoretische und praktische Beschreibung des Maschinenwesens und der 
Hülfsmittel bey dem Bergbau auf dem Oberharze«. Im Jahre 1765 erschien ein 
Ergänzungsband unter dem Titel: » Historische Nachricht von der Unter- und ge- 
samten Ober-Harzischen Bergwerke . .. ersten Aufkunft, deren Auflaß- und Wieder- 
aufnehmungen «, 
Die folgenden Worte Calvörs‘) mögen einen Begriff von seinem Unterricht 
im Clausthaler Lyzeum geben: »Wem also bekannt ist, daß meine Pflicht in 
meinem bis ins 17. Jahr zum Clausthal geführten Schulamte gewesen, nebst den 
iremden Sprachen die Jugend in den mathematischen Wissenschaften, worin ich 
von Jugend an ein groß Vergnügen gefunden, zu unterrichten, wodurch mir Anlaß 
gegeben worden. das hiesige Maschinenwesen in diesem und jenem Stücke mir 
*) Vgl. Lengemann, Festrede der Technischen Hochschule zu Aachen vom 26, Januar 1904, 
5.6 ff. 
*) F. Günther in der Festschrift des Gymnasiums zu Clausthal 1897 und in der Berg- und 
Hüttenmännischen Zeitung 1899. 
w3) Biographie von Jacobs in der Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertums- 
zunde 1872. 
*) Vorbericht zur »Beschreibung des Maschinenwesens«, S. 9.
	        

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