Full text: Die Königliche Bergakademie zu Clausthal, ihre Geschichte und ihre Neubauten

bereitungslehre, Markscheidekunst, Hüttenkunde, Lötrohr- und gewöhnlicher Probier- 
Kunst abzulegen”). 
Die praktische Lehrzeit dauert für Berg- und Silberhüttenleute vier, für 
Eisenhüttenleute und Kandidaten des Bau- und Maschinenfachs drei Jahre, der 
Elevendienst (ev. Versehung von Unteroffiziantenstellen, Aufsichtsführung, Hilfe- 
leistung bei Beamten) dauert drei, für Markscheider zwei Jahre. Bei der hierauf 
in Clausthal abzulegenden zweiten Prüfung sind zwei praktische Aufgaben (über 
ainen technischen und einen ökonomischen Gegenstand) schriftlich zu bearbeiten; 
die mündliche Prüfung richtet sich vorzugsweise auf die Praxis des Faches, 
Den Forderungen, welche das Regulativ für die erste Staatsprüfung stellte, 
mußte sich die Bergschule anpassen. Bevor diese Anpassung vollzogen war, starb 
Zimmermann am 29. September 1853; Roemer wurde am 8. Oktober 1853 
mit der einstweiligen Versehung der Geschäfte eines Vorstandes der Bergschule 
peauftragt, und wir sehen nun die alte Clausthaler Bergschule unter neuen Ver- 
hältnissen einer neuen Blütezeit entgegen gehen. 
Bisher konnten tüchtige junge Leute, die mit geringer Vorbildung in die 
zweite Klasse der Bergschule eingetreten waren, nach zwei Jahren in die erste 
Klasse übergehen und allmählich in höhere technische Stellen des Berg- und 
Hüttenwesens aufrücken, Dieses »Dienen von der Pike auf« war unmöglich, wenn 
nur junge Leute mit Primareife in den höheren Staatsdienst eintreten konnten, 
War man anfangs noch geneigt, den Übergang aus der zweiten Klasse der Berg- 
schule in die erste (ohne Anspruch auf Zulassung zum Staatsexamen) zu gestatten, 
so bestimmte das Berg- und Forstamt am 21. Dezember 1853 auf einen Bericht 
Roemers, daß die Schüler der zweiten Klasse, welche jetzt nur noch zur Heran- 
bildung von Unteroffizianten diente, nicht mehr in die erste Klasse aufrücken, 
sondern nach zwei Jahren auf die Werke zurückgehen sollten; für die Aufnahme 
in die erste Klasse wurde Primareife oder eine entsprechende Schulbildung 
verlangt. 
Damit war die schon früher vorbereitete Zerlegung der alten Bergschule in 
eine Bergakademie und eine Steigerschule (Bergschule im heutigen Sinne) voll- 
ständig durchgeführt, ohne daß die nicht mehr zeitgemäße Bezeichnung »erste 
und zweite Klasse der Bergschule« geändert wurde; die im Jahre 1854 in einer 
Lehrerkonferenz vorgeschlagene Bezeichnung » montanistische« oder »bergmännische 
Hochschule« für die »erste Klasse« fand bei der Behörde keinen Anklang. 
Trotzdem sich die Zahl der Harzer, welche bisher das Hauptkontingent der 
Bergschüler gebildet hatten, unter den neuen Bedingungen für die Aufnahme in 
die erste Klasse stark vermindern mußte, gelang es, die Zahl der Studierenden 
. *) Der Umstand, daß der Prüfungskommission in Hannover vorzugsweise Lehrer der polytech- 
nischen Schule angehörten, hatte zur Folge, daß an der Bergschule der Unterricht in der Maschinen- 
jehre weiter ausgedehnt und die darstellende Geometrie eingeführt wurde, 
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