Volltext : Heimatgruß der Technischen Hochschule Stuttgart an ihre Studierenden im Felde

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fahren doch, daß auch bei ihnen Stunden der Ruhe eintreten,
in denen man ein Bedürfnis nach geistiger Ablenkung emp—
findet, daß auch im Unterstand und selbst in der „vorderen
Linie“ allerhand Gedrucktes zu finden ist und gern gelesen
wird, kurz, daß auch dort zuweilen die Gedanken über das
zunächstliegende AUm und An in eine weitere Ferne hinaus—
wandern. Und vielleicht dürfen wir annehmen, daß sie sich
dann auch manchmal mit den Gedanken oder Empfindungen
begegnen, wie sie sich uns andern aufdrängen, wenn wir zu
Hause an der Arbeit sind, damit im Kriege eine Tradition
erhalten bleibe für die Werke des Friedens, und eine Mög—
lichkeit erneuter Anknüpfung, wenn einmal das Ende dieses
Ringens eintritt.
Noch wissen wir ja die Stunde nicht, wann das sein wird.
Aber daß sie uns schon jetzt genug zu erwägen und zu be—
denken gibt, wer wollte es leugnen? WVor welche neuen Auf—
gaben wird sie uns stellen, und welche Kräfte werden wir in
uns selbst ihr entgegenzubringen haben? Das ist die Frage,
die uns in hundertfältigen Abwandlungen immer wieder
gegenübertritt, der ungezählte Reden und Schriften auf allen
Lebensgebieten gewidmet werden. Daß Deutschland, oder sagen
wir besser, daß deutscher Glaube, deutsche Sitte, deutscher
Rechtsinn und deutsche Kraft an die Spitze der Friedens—
gemeinschaft treten müssen, welche in näherer oder fernerer
Zukunft die Völker des Kontinents untereinander verbinden
soll und wird, daran zweifelt wohl niemand. Das ist keine
Folgerung aus deutscher Selbstüberhebung, es ist nur eine
Forderung, die uns die Pflicht der Selbsterhaltung auferlegt.
Es ist auch gar nicht etwa ein Gedanke von gestern oder heute.
Kein Geringerer als Gneisenau, der Mann aus dessen Kopfe
die Ideen hervorgegangen sind, die das Feldherrngenie eines
Napoleon zunichte gemacht haben, war es, der vor etwas
mehr als hundert Jahren an den Freiherrn von Stein schrieb:
„der dreifache Primat der Waffen, der Konstitution, der Wissen—
schaften ist es allein, der uns aufrecht zwischen den mächtigen
Nachbarn erhalten kann“. Es ist der Primat der Zivilisation
schlechthin, den wir erlangen müssen.
            
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