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Vergebens würden wir versuchen, einen solchen Gedanken
in einem kurzen Gedenkblatt, wie es diese Zeilen sein sollen,
auszuschöpfen. Nur von einem Gegenstande, der einen Teil
jener großen und umfassenden Verpflichtung einschließt, und
von dem in dem landläuftgen Schrifttum dieser Tage beson—
ders viel die Rede ist, soll hier ein Wort seine Stelle finden.
Es ist die Frage, wie man sich Form und Geist der künst—
lerischen Kultur zu wünschen habe, die künftig den deut—
schen Namen unter den fremden Völkern vertreten soll.
Man liest jetzt häufig, daß dereinst auch die deutsche Kunst
die Welt regieren, daß deutsche Form in Zukunft die Normen
des künstlerischen Geschmackes auch im Auslande bestimmen
müsse. Es ist begreiflich und hängt wohl insbesondere mit
der mächtigen Entwicklung unsres Kunstgewerbes zusammen,
das kurz vor dem Kriege im Begriff stand, den Weltmarkt
zu erobern, wenn solche Gedanken allen Ernstes laut geworden
sind. And warum sollte es auch nicht möglich sein, daß jene
Aufwärtsbewegung zugunsten der gewerblichen Künste nach
dem Kriege aufs neue einsetzt und bis ans Ende durchdringt?
Ob sich ein Gleiches für die anderen Zweige der Kunst er—
warten läßt, steht dahin. Sieht man auf alle die Beweise
des Mißtrauens und der Abneigung, welche die Völker ringsum
mit wenig Ausnahmen auf Grund eines ebenso unverständigen
als wie es scheint unüberwindlichen Gefühls der Eifersucht
gegen uns bekunden, so gewinnt man nicht viel Zuversicht zu
solchen Hoffnungen, die, wennschon keine Freundschaft, so doch
wenigstens ein Gefühl der Achtung, der verstandesmäßigen
Anerkennung zur Voraussetzung haben müßten.
Aber gleichviel, wie man sich die zukünftige Gestaltung
unserer auswärtigen künstlerischen Beziehungen denken mag,
wichtiger ist für uns in jedem Falle zunächst eine Gegenwarts⸗
frage, die mit jener anderen in nahem Zusammenhange steht,
die Frage, wie denn unserer Kunst der nationale Form-⸗
charakter gewonnen oder erhalten werden möge, den sie erst
einmal haben muß, ehe sie internationale Geltung beanspruchen
kann. Auch darüber ist vieles gesagt und geschrieben worden,
wenn auch ohne daß der Gegenstand dadurch erschöpft worden