Volltext : Heimatgruß der Technischen Hochschule Stuttgart an ihre Studierenden im Felde

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wäre. Mamentlich an positiven Anterlagen hätten wir gerne
etwas mehr zu hören bekommen. Offenbar ist es leichter, ein
Prinzip aufzustellen, als die Mittel anzugeben, wie es ver—
wirklicht werden sol.. Am so eifriger hat man es sich an—
gelegen sein lassen, auf gewisse Mängel des Maturells oder
der Erziehung hinzuweisen, die man den Deutschen vor allen
Dingen abgewöhnen müsse, ehe man weiter Hand anlege.
MWan sucht so zu umschreiben, wie es nicht gemacht werden
muß, aber auch damit ist das Problem noch nicht gelöst, im
Gegenteil: die Position dessen, der verneint, ist zwar in der
Regel die stärkste, aber nicht immer die richtigste.
Bei dem zuletzt erwähnten Anlaß ist es, wie nicht anders
zu erwarten war, auch dem bekannten deutschen Weltbürger—
sinn, der Anpassungsfähigkeit des Deutschen gegenüber fremden
Anschauungs- und Lebensformen schlimm ergangen. And
namentlich nach einer Seite unserer bisherigen Entwicklung
hin hat sich ein wahres Sturmlaufen erhoben, es ist die Summe
derjenigen künstlerischen Bildung, die wir im Austausch mit
den Völkern romanischer Abstammung in uns aufgenommen
haben. Wan liebt es gegenwärtig, sie unter dem Schlagwort
„Renaissance“ zusammenzufassen, und diesem als den Inbegriff
des germanischen Kunstcharakters, den es allein zu wahren
gelte, die „Gotik“ gegenüberzustellen. Beide NRamen ent—
sprechen in dieser Anwendung nur wenig der geschichtlichen
Bedeutung, die ihnen von Hause aus innewohnt. Wan hat
statt dessen früher zutreffender von klassischem und romantischem
Ideal gesprochen. Aber eben die mangelnde Einsicht in das
geschichtliche Wesen beider Begriffe ist es auch, die vornehm—
lich an jener stellenweise schon zu einem wahren Fanatismus
ausgewachsenen Bewegung gegen den lateinischen Kunstgeist
schuld ist, und diese selbst schon weit über jedes angemessene
Ziel hinausgeführt hat.
In der Zeit, in welcher die geschichtlichen Anfänge einer
höheren, von den Deutschen geübten Kunsttätigkeit in Archi—
tektur, Malerei und Plastik liegen — sie gehen nur an wenigen
Stellen über die Epoche des karolingischen Reiches zurück —,
wußte man noch nichts von den nationalen Unterschieden,
            
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