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eben jene Gotik, die man so gerne als das letzte Wort des
deutschen Kunstgeistes bezeichnet, ist in einer durchaus folge—
richtigen Entwicklung aus dem Prinzip des ältesten christlich—
römischen Basilikenbaues abgeleitet. Was daran deutsch ist,
alle die Kühnheit des aufwärts strebenden schöpferischen Geistes,
die Innigkeit des Naturgefühls, die liebenswürdige Verträumt—
heit und die unerschöpfliche Phantasiebegabung, die diese
Stilrichtung auf unsrem heimatlichen Boden auszeichnen, das
ist nicht in irgendeinem beabsichtigten Gegensatz gegen das
lateinische Element entstanden, es hat nur eine Umwandlung
desselben herbeigeführt, die sich, wie alles Geniale, unbewußt
vollzogen hat, der lebendigste Ausdruck einer naturgegebenen
überragenden Kraft, die eben gestaltet, weil sie gestalten muß.
Immerhin, wenn man uns das als deutsch bezeichnet, als
die Summe der Arsprünglichkeit, die wir in neueren Zeiten,
nicht im ganzen, aber vielleicht einmal in dem einen oder
andern Falle preiszugeben im Begriff gewesen sind, und die
es auf der ganzen Linie zu behaupten gilt, wenn wir wieder
ganz wir selbst, ganz deutsch sein wollen, so habe ich nichts
dagegen einzuwenden, aber man sage nicht, daß dieses Deutsch—
tum jemals für sich allein bestand, oder auch nur den Wunsch
danach geäußert habe.
Den besten Beweis des Gegenteils hat die Entwicklung
dieser deutschen Gotik selbst erbracht. Es kam eine Zeit, in
der sie sich an ihrem eigenen Reichtum übersättigt fühlte, in
der das, was zu ihren eigensten Vorzügen gehörte, die Gabe
des unterschiedlichen Gedankenausdrucks, in geistreiche Laune
und Willkür auszuarten drohte. Damals, es war die Zeit
der Aufnahme der humanistischen Studien in Deutschland, hat
auch die Kunst eine Art von Rezeption antiker Formen durch—
gemacht und sich in die Schule der italienischen Renaissance
begeben. Warum wohl? War es nur, weil die Deutschen,
wie es einmal in Albrecht Dürers Schriften heißt, immer
—
auch zugleich das unausgesprochene Bewußtsein von etwas,
das man selbst entbehrte und in jener Kunstform als die ihr
eigentümliche Stärke verwirklicht fand: die Ruhe und Ge—