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schlossenheit der Tradition, die Einheit der Wethode und jene
Gabe der Maßhaltung, wie sie vordem schon Griechen und
Römern als die höchste Form in allem menschlichen Tun
erschienen war? Man fand auf deutschem Boden in dieser
Verbindung eine neue innere Gleichgewichtstellung, aber nie—
mand dachte daran, damit zugleich den eigenen Kunstcharakter
preiszugeben, am wenigsten die führenden Männer der Be—
wegung, wie Dürer selbst, dem man jetzt ganz mit Unrecht
ein falsches Schönheitsempfinden anzudichten bemüht ist, von
welchem dieser aufrichtige und starke Geist in Wirklichkeit
niemals berührt worden ist.
Man hat auch später neben den italienischen die franzö—
sischen Geschmacksanleihen in der Zeit des Barokko nicht
verschmäht, aber man war darum nicht weniger deutsch; oder
ist nicht gerade das der wesentliche Reiz. den wir den Werken
eines Andreas Schlüter, eines Balthasar Neumann oder der
großen süddeutschen Kirchenbaumeister des 18. Jahrhunderts
nachrühmen müssen, daß sie inmitten und trotz der Regeln
der lateinischen Schule so prächtig den mannhaften, kernigen
und deutschen Formengeist zu Worte kommen ließen? Einer
der eifrigsten Verfechter der sogenannten Gotik hat zwar erst
neuerdings diese ganze Kunst in Bausch und Bogen als eine
französische verurteilt. Er ahnte wohl nicht, wieviel von
echter bodenwüchsiger Art sich in den schönsten Erzeugnissen
gerade des deutschen Barock verbirgt, wieviel vor allem von
jenem gedankentiefen Sondergeist, den uns niemand mehr zu
beneiden Arsache hat, als eben jene romanischen Bölker, deren
Kunst gerade darin ihre schwächste Seite zeigt, daß sie wohl
eine Schule und eine Gattung, aber nur wenig Individualitäten
aufweist. Nein, daß unsere Meister damals und auch später
— man denke an die klassische Malerei des 19. Jahrhunderts,
an die deutschesten der Deutschen, einen Wenzel, Leibl, Thoma,
Ahde, Liebermann — es nicht verschmäht haben, von fremden,
in dem letzten Falle wieder von französischen Vorbildern zu
lernen, das kann ihnen nur der zum Vorwurf machen, der
die wahre Stärke des deutschen Geistes noch nicht kennt. Als
ob es nicht eben der Vorzug dieses Geistes wäre, daß er