Full text: Das Königliche Katharinenstift zu Stuttgart

Y- 
rechten Werkzeuge finden lassen, in deren Hände sie die Aus- 
führung ihrer edien Absichten mit Vertrauen legen konnte, und 
Jarum hat es auch nie an solchen gefehlt, die dem teuren Ver- 
mächtnis der Stifterin mit Begeisterung und Treue dienten. 
Das edelste Vorbild hicrin gab das erhabene württem- 
bergische Königshaus. 
König Wilhelm I. hielt treulich, was er bei dem uner- 
wartet raschen Dahinscheiden seiner teuren Gemahlin versprochen 
hatte. Bis zu seinem Verscheiden am 25. Juni 1864 hat er dem 
Katharinenstift 46 Jahre lang sein warmes, nie ermüdendes Inter- 
esse zugewandt und ist für alle Bedürfnisse der Anstalt stets 
yrossherzig und freigebig eingetreten. Im Oktober 1821 über- 
trug König Wilhelm seiner zweiten Gemahlin, der Königin 
Pauline, die „Oberaufsicht über das Katharinenstift in dem- 
selben Masse und Umfang, wie die verewigte Königin sie geübt 
hatte.“ Im Jahr 1842 trat die Prinzessin Marie von Württem- 
berg, die Tochter der Königin Katharina, als Mitprotektorin an 
ihre Seite, und beide haben mit Treue und Sorgfalt über der 
Lehranstalt und der Pension gewacht. 
Am 25. Juni 1864 verschied König Wilhelm I in dem hohen 
Alter von 83 Jahren, und schon am 6. Juli liess sein Sohn und 
Nachfolger König Karl den Vorstehern der Anstalt die gnädige 
Zusage erteilen, „er werde das Wohl des Katharinenstifts und 
dessen ferneres Gedeihen stets als einen Gegenstand seiner be- 
sonderen Fürsorge betrachten.“ Am 7. Januar 1865 übertrug 
er das Protektorat der Anstalt der Königin Olga, welche in 
Gemeinschaft mit der Königin Mutter, der verwitweten Königin 
Pauline (gest. 10. Mai 1878), sofort die Leitung des Katharinen- 
stifts übernahm; am 9. Januar aber, dem Todestag der Königin 
Katharina, besuchten beide Majestäten die Anstalt. Mit unver- 
änderter Treue liess König Karl 27 Jahre lang das Katharinen- 
stift seine Huld und Gnade in Wort und That geniessen; die 
Königin Olga Nikolajewna aber betrachtete cs als eine heilige 
Aufgabe, in die Fusstapfen ihrer edlen Tante Katharina zu treten, 
und das Katharinenstift durfte es in reichem Masse immer wieder er- 
Fahren, unter welch treuer, mütterlicher, ganz im Sinne der 
Stifterin geübter Leitung es stehe. Zum 50Jährigen Jubiläum 
der Anstalt konnte am 16. August 1868 der einem dringenden 
Raummangel abhelfende „Olgabau“ eingeweiht werden; 1873 half 
die Königin der starken Ueberfüllung des Katharinenstifts durch 
lie Errichtung einer Schwesteranstalt, des Königlichen Olgastifts.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.