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Die Kunst verliert damit allmählich das Gepräge einer Hofkunst. Sie büfst unter den veränderten
Verhältnissen zwar einen Theil ihres vornehmen Wesens ein und nimmt einen mehr aristokratisch-bürgerlichen
Charakter an, gewinnt aber an praktischer Verwendbarkeit und an allgemeinerer Verbreitung. Der
Adel, jetzt zum vornehmsten Diener des Reiches und des Königs herangewachsen, bleibt nicht länger im
Schatten der Königsmacht und des „Schreiberthums“. Er hat zum Theil seine Erziehung im Auslande an
den neuen protestantischen Hochschulen oder durch Reisen erhalten, er ist theologisch, geschichtlich,
juristisch gebildet, sprachkundig, mit ritterlichen Uebungen wohl vertraut. Mit erweiterten Anschauungen
und Kenntnissen, mit gesteigertem Selbstgefühl treten diese jungen Herren, ein Axel Oxenstierna,
Johann Skytte, Jakob de la Gardie, Per Brahe u. A. ins öffentliche Leben und gewinnen Einflufs, persönliches
Ansehen und Vermögen. Von feiner künstlerischer Art ist die erworbene Bildung freilich noch nicht. Aber man
beginnt, Pracht und Prunk in der täglichen Umgebung zu lieben, geräumige Wohnungen, stattliche Zimmereinrichtungen
mit zahlreicher Dienerschaft und kostbarem Geräth, mit schönen Kleidern und reichen Waffen.
Dem von dem Adel gegebenen Beispiel folgen nach bestem Vermögen die oberen Volksschichten, der
immer mächtiger werdende höhere Priesterstand und der emporkommende Bürgerstand.
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DIE KÜNSTLER. Während der ganzen Periode, die wir so in ihrem äufseren Verlauf umrissen,
richten sich die künstlerischen Interessen hauptsächlich auf die Bauunternehmungen. Die Skulptur wirkt
bei der Ausschmückung der Gebäude durch Giebel und Portalfiguren mit, und tritt nur bei Grabdenkmälern
etwas persönlicher und selbständiger auf. Die Malerei wird, wenn man vom Bildnifsmalen, „Contrafeyen“,
absieht, wesentlich nur für dekorative Zwecke benutzt.
Und doch ist es ein buntes und bewegtes Leben, das sich während der letzten Hälfte des XVI. Jahrhunderts
in allen Theilen des Landes, an den königlichen Höfen und Schlössern, von denen mehr als
zwanzig im Bau begriffen waren, entwickelt. Da werden Ziegel geschlagen und Kalksteine gebrannt; Steinmetzen
sind in den Steinbrüchen in Upland und Oestergötland, in Westergötland, Oeland und in Finland
thätig, die Bauern fällen Bäume in den Wäldern, frachten im Winter Zimmerholz und Bretter, Pfähle und
Bruchstein nach den verschiedenen Baustellen und leisten einen bisweilen sehr strengen Frohndienst. Maurermeister,
Zimmerleute und andre Arbeiter sind unter der Aufsicht königlicher Statthalter, Baumeister und
Bauschreiber emsig beschäftigt. Für die innere Ausstattung arbeitet eine Schaar von Kunsthandwerkern.
Der Schreiner verfertigt Panelwerke und Decken, der „Laubschnitzer“ Kapitäle und andre Ornamente, der
Glaser fafst die kleinen Scheiben in Blei, der Maler ziert Wände und Decken, die Goldweber führen in
Seide, Wolle und Gold Wandteppiche mit figuralen Mustern, „Spaliere“ und Kissen aus.
Eine grofse Schwierigkeit war es indessen, die nöthigen künstlerischen Kräfte herbeizuschaffen.
Unter den Hunderten von Kunsthandwerkernamen, die die Lohnlisten nennen, verräth kaum die Mehrzahl
schwedischen Ursprung. Dies liegt, wie weiter oben angedeutet, ohne Zweifel am Fehlen eines lebenskräftigen
Bürgerstandes. So finden wir die schwedischen Namen hauptsächlich in den hinteren Reihen
unter denen, die den gewöhnlichen Arbeitern am nächsten kommen. Eigentlich haben nur zwei Einheimische:
der Maler und Baumeister Anders Larsson (Anders Maler) und der Teppichweber Nils Eskilsson, einen
hervorragenderen Platz eingenommen. Die Naturanlagen und vor allem die geistigen Interessen der
Schweden jener Zeit weisen sonst deutlich nach anderen Richtungen. Man rnufste sich also an das Ausland:
Deutschland, Frankreich, die Niederlande, wenden. Von Zeit zu Zeit erzählen auch die Urkunden, wie
dieser oder jener nach dem Auslande verschickt wurde „um Amtsleute“, d. h. Handwerker, „ins Reich zu
verschaffen“.
Bei der Mehrzahl der in die Lohnlisten eingetragenen ausländischen Namen steht es fest, dafs ihre
Träger gewöhnliche Handwerker ohne irgend eine künstlerische Bedeutung gewesen, und es sind nur wenige,
die aus diesem dunklen Hintergrund als festumrissene Persönlichkeiten hervortreten. Zu der Menge der
Namen trägt auch der schnelle Wechsel bei. Es ist ein unaufhörliches Kommen und Gehen. Die Meisten