239 —
Doch kam auch die Landschaftspflege zum Wort. Bilder
aus dem Schwäbischen Baumbuch sollten die Schönheit des Einzelbaums
und der Allee im Landschaftsbild vorführen. An andern Beispielen war zu
sehen, was der Forstmann für das Landschaftsbild tun kann, im Guten und
Schlimmen. Die Gefahren des Hüttenbaues und des Wanderns für die
freie Natur waren angedeutet, schwere Narben von Steinbrüchen an bedeutsamen
Bergen, offene Rohrleitungen zu einem Kraftwerk im schönen
Lenninger Tal, erinnerten an üble Eingriffe unserer Zeit in das Landschaftsbild.
Auch Aufforstungen und Kultivierungen bedrohen, was uns so lieb war.
Einige Parkbilder und eine einsame Kapelle an einem Albpaß, überschattet
von einer großen Linde, sollten als Symbole wirken, die den großen
Aufgabenkreis der freien künstlerischen Gestaltung der Landschaft durch
den Menschen berühren.
Nachtrag zu Dr. H. A. Krauß, Das Kommen und Gehen einer
Orchis-Art in Württemberg. (S. 46).
Der großen Mühewaltung des Herrn Apothekers TE. SCHMID in Nagold habe
ich es zu danken, daß‘ es mir doch noch möglich ist, darüber zu berichten, in
welchen Alpengebieten ZELLER botanisiert und ob er etwa lebende Pflanzen von.
dort heimgebracht hat. Derselbe konnte einer ausführlichen Lebensbeschreibung
Dr. ZELLER’s von Diakonus KEMMLER 1867, nach Tagebuch und Briefen verfaßt ?,
entnehmen, daß ZELLER, „ein großer Pflanzenfrennd und Pflanzensammler‘‘,
schon 1816—20 bei einem 4 jährigen Aufenthalt in der Schweiz als Apotheker in
Solothurn und Vevey fleißig botanisierte und im Garten seines Solothurner Chefs
PFLUGER neben, anderem auch „Orchideen anpflanzte‘‘. Von einer Reise durch
die Nord- und Südschweiz (1820) brachte er eine beträchtliche Pflanzenausbeute
mit, teils gepreßt, teils aber auch „als Setzlinge‘. Im Jahre 1832 unternahm
er mit Prof, GUSTAY SCHÜBLER und GEORG V. MARTENS eine botanisch sehr ergiebige
Exkursion nach Oberschwaben und ins Allgäu (ca. 20 für Württemberg
neue Arten!) „Wir brachten Vieles eingelegt und als Setzling nach Hause“, —
Andere Alpenländer hat er nicht besucht. — Er stand auch in regem Verkehr
mit namhaften Botanikern und unterhielt „weitgehenden Pflanzenaustausch‘‘.
Da Orchis Spitzelii in der Schweiz nicht vorkommt, wenigstens nach unsern
bisherigen Kenntnissen, so wäre die Entnahme von dort durch .ZELLER wohl
ausgeschlossen. Eine andere Frage käme dagegen in Betracht, ob er dieselbe nicht
von andern Botanikern erhalten und eingepflanzt habe. Es wäre aber die ein -
zige ihm gelungene Überpflanzung, denn von andern alpinen oder subalpinen
Pflanzen, die er „als Setzlinge‘“ mitgebracht, ist auch nicht eine Spur um Nagold
übrig geblieben.
Ob das Herbarium' ZELLER’S noch irgendwo vorhanden ist, das wohl die
sicherste Auskunft geben könnte, habe ich leider nicht in Erfahrung bringen
können.
In bezug auf ihre Verbreitung in den‘ Südalpen habe ich noch einen
Fundort in den Karnischen Alpen (Friaul) zu verzeichnen, nämlich den „Mooskofel
in der Valentin‘, woselbst sie A. WOLFERT aufgefunden hat. (Verh. Zool.
Bot. Ges. Wien, 61. Bd. 1911, S. 296 Anm.)
16. KEMMLER, HEINRICH ZELLER, Ein schwäb. Zeit- und Lebensbild.
Mit Bild. Calw-Stuttgart 1867.