Objekt: Netze in Natur und Technik = Nets in Nature and Technics (IL8, 1975)

Bei der Verankerungstelle eines Fadens an einem
im Vergleich zu diesem Faden jedenfalls großen und
steifen Gegenstand, wird in diesen Gegenstand Über
seine Oberfläche eine hierzu meist senkrecht oder
schräg stehende Einzelkraft eingeleitet > 1
Dies ist eine statisch-konstruktiv sehr anspruchsvolle
Aufgabe. Die Form, wie die Spinne diese Aufgabe
löst, ist nach technischen Kriterien vorbildlich. Sie
baut aus ihrer Anheftungsmasse eine kleeblattförmige
Auffächerung >2 , in die der in seine beiden Einzelfiden
 aufgegliederte Doppelfaden eingebettet ist. Auf
diese Weise wird eine punktformige Last in eine fléchige
Last umgewandelt, die leicht über die Haftfähigkeit
der Anheftungsmasse der Spinne in den als Fundament
wirkenden Gegenstand eingeleitet werden kann.
Zu einer Verankerungsstelle gehen immer zwei Fäden
Die Spinne bewegt sich mit einem Faden zu einem
Gegenstand, verankert ihn dort und bewegt sich, einen
Faden hinter sich herziehend, wieder von der Verankerungsstelle
 fort.
Einzelne Fäden der tragenden Netzstruktur, insbesondere Abspannungen, sind
zur Verstärkung als Fadenbündel aufgebaut. Die einzelnen Doppelfäden dieser
 Bündel werden in Entfernung vom Verankerungspunkt zur besseren Krafteinleitung
 aufgespreizt und einzeln, wie oben beschrieben, an der Unterlage
 angeheftet > 3. Nicht immer werden die Fäden, die eine Spinne in der
Umgebung verankert, dort festgeklebt. Häufig sind Fäden nur durch Reibungskräfte
 mit einem Gegenstand verbunden. Spinnenfäden werden teilweise
iediglich in einiger Linge auf ravhem Boden aufgelegt > 4 oder die Spinne
1äßt einen Wegfaden durch den Wind wegtragen und wartet, bis er irgendwo
hängen bleibt, z.B. an einem Halm > 5.

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Auch die Aufhängung eines Fadens in der Luft ist bei Spinnen möglich. Jungspinnen
 und Zwergmännchen vieler Arten lassen sich an warmen Herbsttagen
an langen Wegfäden durch die Lüfte tragen. Die Spinne sinkt in den aufsteigenden
 warmen Luftmassen langsam ab. Sie wird durch die aerodynamischen
Reibungskräfte getragen, die an der Oberfläche des langen Flugfadens wirken
> 6.

1,9 KLASSIFICATION DER SPINNENNETZKONSTRUKTIONEN NACH IHRER
GESAMTFORM
Die Netzkonstruktionen der Spinnen bestehen im Wesentlichen aus den vorbeschriebenen
 Konstruktionselementen: Netz, Netzstitzung und Netzverankerung.
 Es gibt viele Möglichkeiten, diese zu klassifizieren. Es ist hier der
Einordnung aufgrund der Form Vorzug gegeben, da die Netzform zugleich die
Netzkonstruktion ist und das Kräftebild bei Beanspruchungen bestimmt.
Wir können die Form der Konstruktionen danach unterscheiden, ob sie ein-, zweioder
 dreidimensional sind (eindimensional bedeutet: groß in einer Dimension
ond in den beiden Ubrigen klein; zweidimensional bedeutet: groB3 in zwei
Dimensionen und in einer klein; und dreidimensional bedeutet: relativ groß

At the point of anchoring of a thread to a large and
rigid object - at least in comparison to the thread - a
single force is transmitted to this object diagonally or
perpendicularly to the surface > 1,
This is a very demanding task from the static constructive
 point of view. The way the spider solves this
problem is exemplary, by engineering criteria. From
its adhesive mass it constructs a fanned out form like a
cloverleaf > 2, and the double thread, divided into
its two individual threads, is imbedded in it. In this
way a point load is transformed into a surface load.
This load is easily transmitted to the object serving as
a foundation through the adhesive capacity of the
adhesive material of the spider, Two threads always
run to one anchoring point. With one thread the spider
moves along to an object, anchors it there and again
moves away from the anchoring point, pulling behind
it a thread,

For reinforcement, individual threads of the supporting web structure, and in
particular anchorings, are built as thread bunches. The individual double
threads of these bunches are spread at a distance from the anchoring point
for better force transmittance. Then they are attached individually to the
base > 3 , as described above. The threads that the spider anchors in the
environment are not always glued there. Very often the threads are connected
to an object only by frictional forces. Sometimes the spider’s threads are
placed on the rough soil for a certain distance > 4, or the spider waits for
the wind to carry the drag-line along until it is caught by a blade,
for example > 5.

The spiders are also able to suspend a thread in the air. On warm autumn
days, young spiders, and male dwarfs of many species are carried by the
wind suspended on long drag-lines. The spider slowly sinks through the
ascending warm air mass. It is carried by the aerodynamic friction forces
acting on the surface of the long flying thread > 6.

1,9 CLASSIFICATION OF SPIDER-WEB STRUCTURES ACCORDING TO THEIR
TOTAL FORM
The net structures of spiders consist essentially of the constructive elements
described previously: web, net support, and net anchoring. There are many
classification possibilities for these elements. In this case, we prefer classification
 according to form, since the form of the web is also the net structure
and determines the picture of the forces under stress. We can distinguish the
form of the structure, i.e. whether it is one-, two- or three-dimensional
(one-dimensional means: large in one dimension, but small in the other two;
two-dimensional means: large in two dimensions and small in the third; threedimensional
 means: relatively large - or of similar size - in all three dimensions

IL 8 (1975
	        
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