gehend und von ihr getragen kam Gerhard Hauptmann durch
ein paar Theaterskandale schnell zur Berühmtheit. Sein
Leben ist alsdann ein gesicherter äußerer Aufstieg gewesen,
bis ihn sein sechzigster Geburtstag als den offiziellen Nationaldichter
Deutschlands zeigte. Er ist also eine repräsentative,
mehr noch, er ist fast eine gleichnishafte Gestalt für
das Deutschland seiner Zeit und als solche zu werten.
Hauptmann ist Schlesier, kleinbürgerlicher, ja, weiterhin
proletarischer Herkunft. Sein Großvater war Weber, sein
Vater, Hotelbesitzer ohne Erfolg, das Urbild des Siebenhaar
im Fuhrmann Henschel. Von Kindheit an war ihm das
Leben der Landleute, der Kleinbürger und der Arbeiter in
seiner Heimat vertraut. Er trug in seinem Blute die Erinnerungen
proletarischer Leiden und Kämpfe, aber er trug in
sich auch die Ueberlieferungen des Pietismus, der in seiner
Familie zu Hause war, und die mystische Innigkeit einer
asketischen, weltabgewandten Religiosität.
In Berlin stieß er, der zuerst Bildhauer, später erst Dichter
werden wollte, auf die radikalen Jungen, und seine ersten
Werke sind heiße Bekenntnisse eines eniflammten Herzens.
Sie fanden ein lautes Echo in Haß und Liebe.
Er stand damals unter dem Banne Ibsens. Von dem
stammt der gelöste Dialog, die unmerkliche Art, die Menschen
aus vielen kleinen Handlungen, Gewohnheiten, Redewendungen
zu gestalten, das Hineinspielen der Umgebung,
von Landschaft, Nachbarschaft und Haus, Himmel und
Jahreszeit. Doch zeigt sich darin nun Hauptmanns eigene
feine und reiche Begabung, die auch später sich nie verleugnet
hat. Ob er in seinem ersten Drama eine schlesische
Landschaft um uns erstehen läßt oder als reifer Künstler
die dumpfe Luft einer Berliner Mietskaserne, sein sicheres
Können versagt ihm niemals. Ein Unterschied gegenüber
Ibsen tritt indes sogleich hervor. Ibsen ist der Meister der
Problemstellung und Problemlösung. Alle seine Werke sind
meisterhaft gestellte und ebenso meisterhaft zur Lösung
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