brauchen und beschmutzen, allein gegenüber, der einzige, der
die Forderung nach Recht und Gemeinschaft rein erfaßt und
imstande wäre, sie zu verwirklichen. Und er geht zu Grunde
an der Untreue der Kameraden, der Unreife der Massen. So
ist der Florian Geyer ein Anfang, der bisher keine Fortsetzung
fand. Vielleicht kündet sie sich in den Tollerschen Dramen
an. Unter Hauptmanns Dramen steht er allein als gewaltigstes
und schönstes Werk. Ein Versprechen, das nicht eingelöst
wurde.
Denn nun setzt eine Entwicklung bei Hauptmann ein, die
ihn weit hinwegführt von seinem Ausgang. Er war Mystiker
von Natur und Erziehung, er war als Landkind vollgesogen
mit Märchen und Volkspoesie, und er fand die starke Ueberlieferung
des historischen und symbolischen Dramas. Welcher
deutsche Dichter fühlt sich nicht verpflichtet, einen
Faust zu schreiben? Hauptmann schrieb seinen Faust, „die
versunkene Glocke“. Der Erfolg war beispiellos, und damit
war Hauptmann verloren.
Wenige Dichter haben eine gleich starke Unbefangenheit
dem Alltag gegenüber wie Hauptmann. Das macht all seine
Stücke, die in der Gegenwart spielen, so unvergleichlich
lebensvoll und seine Menschen vom Fuhrmann Henschel bis
zur Mutter Wolffen so quicklebendig, daß wir glauben, sie auf
der Straße wieder zu erkennen. Aber Hauptmann wird feierlich,
sobald es sich um Historie, Legende und symbolische
Dichtung handelt. Hier beginnt die gule Stube der Dichtung,
in die nur frischgewaschene neue Menschen eingehen. Natürlich,
da Hauptmann auch in der guten Stube ein Dichter
bleibt, hat er auch hier zunächst lebendige Kinder in die Welt
gesetzt. Sie reden etwas gespreizt, wie’s auch ein guter Bauer
tut, der Hochdeutsch spricht, aber Rautendeleins Spiele und
des armen Heinrich Leiden sind wahre und wahrhaftige Poesie.
Dann aber? Ja, dann kommt so etwas Merkwürdiges vor,
wie die Verwandlung der Griseldis, die als Bauernmagd einen
recht bäuerlichen Schimpfjargon redel und mii dem mark-2920