viel aufgeführt wie Shaw. Man erkennt ihn an und bewundert
ihn sogar, aber man betrachtet ihn nicht eigentlich als
Dichter. Wenigstens wird immer wieder bezweifelt, ob seine
Dramen wirklich Dramen, ob seine Menschen wirklich Menschen
seien, und geht man der Sache auf den Grund, so ist
den meisten die Problemstellung zu vernünftig, und die Menschen
sind ihnen zu gescheit.
Es kommt etwas anderes hinzu: Shaw ist durchaus unpathetisch.
Ja, der Kampf gegen das Pathos ist ihm wesentlich.
Napoleon zwischen den Schlachten ist bei ihm ein
kleiner, höchst gescheiter Frechdachs, der sich eine Heldenpose
für die Dummen zurechtgelegt hat. Cäsar wird von
seinem großbritannischen Centurio ebenso dauernd wie vergeblich
zur guten Sitte angehalten, und ein verfolgter und
vom Tode bedrohter Kriegsheld vertieft sich in eine Schachtel
mit Pralines. So etwas wird in Deutschland — und anderswo?
— schwer vergeben. Der Durchschnittsmensch wie der
Durchschnittskritiker trägt Tragik und Lachen, Ernst und
Scherz in zwei getrennten Herzkammern. Märtyrer, die unter
Witzen in die Arena gehen, sind ihm ebenso anstößig wie
ein Prophet und Künstler, welcher lacht. Die Wahrheit,
daß Tapferkeit kein Aufhebens macht, und daß wirkliche Ergriffenheit
sich mit Scherzen schützt, wird ihm stets verborgen
bleiben.
Nun hat freilich Shaw einen sehr berühmten Ahnherrn,
der ein streitbarer Politikus war und ein großer Spötter.
Aristophanes gilt samt allem, was im Athen der Perserkriege
und des Poleponnesischen Krieges gedichtet und mit
dieser Dichtung sehr kräftig Politik betrieben hat, als heiliges
und unerreichbares Vorbild. Dürfen wir nicht gleichwohl
beide auf eine Linie stellen? Wir müßten dann allerdings
einen ganz durchgreifenden Unterschied feststellen. Aristophanes
war ein handfester Konservativer, und er hat seinen
tollen Witz gegen alles gewandt, was in Athen für den Durchschnittsbürger
neu, ungewohnt oder befremdend war, gegen
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