Volltext : Geschichte des Gmünder Goldschmiedegewerbes (Bd. 1)

Die Denkschrift des Joh. Chrysostomus Mayer
vom Jahre 1818

ür die Verhältnisse des Goldschmiedegewerbes in Gmünd zu Beginn des
F 19. Jahrhunderts ist eine Denkschrift von besonderem Interesse, welche
ein Kaufherr eines Gmünder Handelshauses, Joh. Chrysostomus Maver,
geb. 1779, gest. 1854, unter dem Titel „Ideen über den Verfall des Handels
und der Fabrikation von Gmünd im Jahre 1818 und die mögliche Verbesserung
 derselben“ veröffentlichte. Im Jahre 1850 erschien ein Auszug
dieser Ideen nebst den hierüber erfolgten Entschliessungen der K. Regierung
 von demselben Verfasser,
Mayer war Teilhaber des Handelshauses J]. G. Deblers Erben & Mayer,
erwarb 1824 das Eisenwerk am Bäumle in Bregenz und kehrte erst 1850
in seine Vaterstadt zurück. Seine Schilderungen der heimischen Verhältnisse
 zeichnen sich durch rücksichtslose Offenheit gegenüber den Fehlern
und Mängeln, welche dem engen Horizonte verflossener KReichsstadtzeit
entstammten, aus; sie verraten einen Scharfblick für die Erfordernisse der
Zeit, die sich besonders in der Forderung nach Industrialisierung des
zunftmässig kleinlichen Hausgewerbes durch Beschaftung von Maschinen
und Heranziehung fehlender Techniker zeigt. Auch die Forderung der
Vereinigung Deutschlands zu einem Zollstaat mit freiem Verkehr im
Innern stellt Mayer auf, ja er nimmt das Prioritätsrecht der amtlichen
Anregung vor der Listschen Denkschrift an den Bundesrat im Jahre 1819
für sich in Anspruch,
Manche Vorschläge mögen heute beengt durch seine Zeit erscheinen,
Mayer mag insbesondere auch die künstlerischen Vorzüge der
Handarbeit gegenüber der Maschinenarbeit nicht genügend gewürdigt
haben, im ganzen legen seine Zeitbetrachtungen wie die gezeigten Wege
zur Abhilfe der Mängel Zeugnis ab von dem weitausschauenden, scharf
beobachtenden Geist des Verfassers, so dass Auszüge aus seiner Schrift
wertvoll erscheinen, um so mehr. da sich auch für die heutigen Zustände
manches daraus lernen lässt.
Der Verfall des Gmünder Handels ist nach ihm auf äussere und innere
Verhältnisse zurückzuführen.
‚Zu den ersten gehören allgemeine Stockung von Handel und Gewerbe,
eingetretene nachteilige Änderung des Handelssystems der deutschen und
            
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