Volltext : Geschichte des Gmünder Goldschmiedegewerbes (Bd. 1)

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Die Denkschrift des Joh. Chrysostomus Mayer vom Jahre 1818

übrigen Staaten Europas, Konkurrenz anderer Fabriken und Arbeiter, Zu
den inneren Hemmungen gehören Handelsauflagen, fehlerhafte Organisation
der Kaufmannschaft, Qualifikation der Kaufmannsindividuen.“
Den Rückgang der Fabrikation verschuldete eine fehlerhafte Organisation,
 wobei im einzelnen I. die Fabrikationsart, 2. der Mangel an Maschinen,
 Fabrikanstalten, Künstlern, 3. das Verhältnis des Kaufmanns zum
Arbeiter in Preisbestimmung und Zahlungsart, 4. gesunkener Kredit der
Waren, 3. die Innungsverhältnisse der Arbeiter, 6. der Mangel an Lehrund
 Bildungsanstalten angeführt werden.
Die allgemeine Stockung von Handel und Gewerbe zu Anfang des
Jahrhunderts führt er zurück auf die durch Kriegszeit und deren Folgen
bewirkte Verarmung der Völker und auf Überhäufung von Waren, verursacht
 durch übermässige Produktion. „Bei Bijouterieartikeln kommt noch
hinzu, dass Luxusgegenstände jetzt, wo jeder für die notwendigsten Lebensbedürfnisse
 zu sorgen hat, den Druck der Zeit doppelt fühlen müssen,
ebenso wie umgekehrt in den Zeiten des Wohlstandes jedes gerne seinen
Überfluss auf Gegenstände des Luxus verwendet.“
Der Kaufherrnstand hatte nach Mayer nicht den genügenden Einfluss
auf die Geschicke der Stadt, obgleich sich fast die ganze Stadt von Fabrikation
 und Handel nährte und also besondere Berücksichtigung verdient
 hätte. Trotzdem dieser Stand die Bedürfnisse, das Zweckmässige
zum Erwerb und zur Wohlfahrt praktisch kennt, besteht ein offenkundiges
Bestreben, die Kaufleute von allem Einfluss auf die städtischen Angelegenheiten
 auszuschliessen, mit dem Bemerken, dass sie durch ihre häufige
Abwesenheit auf Reisen zu der Stelle eines Deputierten nicht tauglich
seien. Auch bilden die Kaufleute keine eigene Korporation, sondern sind
mit vielen verschiedenartigen Handwerkern in einer Zunft, wodurch die
Interessen des eigenen Standes nicht genügend gewahrt werden können,
so dass alle möglichen Leute, „Knechte, Schneider, Barbiere, Deserteure,
verdorbene Wirte ohne Vermögen und Kenntnisse, ohne die Handlung
ordnungsgemäss erlernt zu haben, zur Verderbung des Handels freien
und ungehinderten Handel trieben“,
„Der Mehrzahl der Kaufleute fehlt somit die gründliche Kenntnis des
Bijouteriefachs, theoretische Handelswissenschaften übersteigen nie das
Mittelmässige; bei diesen Ansichten konnte die Idee zur Errichtung eigentlicher
 Fabriken nicht Platz greifen, ebensowenig eine zweckmässigere Einrichtung
 bestehender Fabrikationsart zur Ausführung kommen.
Jeder Meister bildet mit seiner Familie, höchstens mit ein paar Gesellen
 und einem Lehrling eine besondere Werkstätte und arbeitet auf
Bestellung der Kaufleute. Dergleichen Werkstätten können nie die Vorteile
 einer vollständigen Fabrikeinrichtung bieten. Ohne das Gute zu verkennen,
 das sie in mancher Hinsicht haben, bleiben sie doch im allgemeinen
 einförmig und mangelhaft,“
            
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