Die Denkschrift des Joh. Chrysostomus Maver vom Jahre 1818
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„Die Zahlungsart war entsprechend der Unmöglichkeit und Unkenntnis,
den Arbeitsverdienst genau beurteilen und berechnen zu können, willkürlich
und verschiedenartig. Wie viel mehr muss sich dies bei der Zahlungsweise
solcher Kaufleute steigern, die leichte Goldsorten für vollwichtige
geben, ja sogar andere Waren in Zahlung aufdringen.
Der leichte und reichliche Verdienst früherer Jahre verleitete die Arbeiter
zu einer fröhlichen Lebensweise, die Hang zu Vergnügen und Aufwand,
ja Arbeitsscheu erzeugte. Auf diese Art sind die grossen Summen
ihres Verdienstes gleichsam nur durch ihre Hände gelaufen und nichts
hat zu einem Kapitalstock, zu dauerndem Wohlstand für sie und ihre
Familie Verwendung gefunden.
Im allgemeinen ist dem Goldschmied und Kaufmann Gewandtheit und
natürliche Anlage keineswegs abzusprechen, es gibt manchen wackeren
Arbeiter, der das Urteil über seine Geschicklichkeit nicht scheuen darf,
und in seinem Fache keinem Fremden nachsteht. So traurig die Verdrängung
der Handarbeit durch die Maschine in ihren Folgen für die
Volksklasse ist, die sich bisher von dieser Arbeit nährte, so wenig ist
gegen dieses Fortschreiten des menschlichen Geistes zu sagen, so wenig
ist es möglich, ihr Zwang anzulegen oder ihn zu unterdrücken.“
Damit hat Mayer in treffender Weise die Zeichen der Zeit erblickt.
Er hat den Anbruch eines neuen Zeitalters der Technik erkannt, dessen
umwälzende Wirkung auf allen Gebieten der Produktion er mit scharfem
Blicke ahnte. Die Segnungen der Gewerbefreiheit, die Möglichkeit freien
Wettbewerbes aller tüchtigen Kräfte waren ihm freilich noch verborgen,
und er sucht Mittel zur Einschränkung durch zünftlerische Beengung und
Nachweise. Aber bei der Beurteilung seiner diesbezüglichen Vorschläge
ist zu beachten, dass er eben zunächst gerade die Schattenseiten der Freizügigkeıt
im ungesunden Unterbieten einer Zeit der Überproduktion und
allgemeiner Geschäftsstockung empfand. Frischer Luft und frischem Leben
will er die Tore der alten Reichsstadt öffnen, deren abgeschlossene Selbstständigkeit
ja schon mit dem Übergang zu Württemberg im Tahre 1802
gefallen war.
So wendet sich Mayer mit seinen Vorschlägen an den König, in der
Hoffnung, dass er bei dem neuen Landesherrn und der Regierung Berücksichtigung
finden werde. Die Vorschläge Mavers umfassen die Behebung
der Mängel durch mancherlei Mittel. Er wendet sich gegen die
Handelsbeschränkungen in den deutschen Staaten und fordert die Aufstellung
und Handhabung eines allgemeinen Handelssystems. Er schlägt
vor, dass die einzelnen Staaten des deutschen Bundes einen vereinigten
Handelsstaat bilden sollen, im Innern den freien Verkehr herzustellen,
nach aussen aber Einfuhrerlaubnisse deutscher Produkte zu erwirken und
geeignete Einfuhrverbote fremder Produkte zur Sicherung des deutschen
Fabrikations- und Handelsinteresses anzuordnen.