Die Denkschrift des Joh. Chrysostomus Mayer vom Jahre 1818
Betrifft dieser Vorschlag die allgemeinen Handelsverhältnisse, so denkt
sich Maver die Verbesserung der Eigenschaften des Kaufmannsstandes
herbeigeführt durch Gründung einer Kaufmannszwangsinnung, deren Mityliedschaft
zum Betrieb eines Handelshauses nötiy ist. Der Nachweis
einer dreijährigen Lehrzeit und zwar ausserhalb des väterlichen Geschäfts
und eine mindestens zweijährige Tätigkeit in einer Bijouteriewerkstätte soll
1eben einem schuldenfreien Besitz von 1000 Gulden und unbescholtenen
Charakter zum Betrieb eines Handels mit Bijouteriewaren nötig sein.
Zur Erzielung dahingehender allgemeiner Kenntnisse wird die Errich-‚ung
einer Handelsschule bzw. die Einrichtung des alten (iymnasiums zu
ainer Handelsrealschule mit Berücksichtigung von Chemie, Physik und
Mathematik vorgeschlagen.
Eine genossenschaftliche Vereinigung der Kaufmannschaft soll die Beschaffung
und den Betrieb einer Fabrikationseinrichtung in die Hand
aehmen.
Die Maschinen sollen in „Schlagwerken oder Prägmaschinen, Gumllochiermaschinen,
Drehbänken, grossen Walzwerken ete. bestehen, die von auswärts
heranzuziehenden Künstler wären Stein- und Stahlyraveure, Mechaıiker,
Emailleure, Chemiker“.
Weiter sollen als gemeinnützige Anstalten neu hervorgehen:
a) Eine Goldschleiferei, die auf Rechnung der Goldschmiedezunft be-:rieben
werden soll.
b) Eine Stein- und Glasschleiferei, für deren Zwecke das sog, Schleifhäusle,
die bisher bestandene Wasserschleifmühle eingerichtet und für Rechnung
der Zunft betrieben oder an geschickte und arbeitsame Schleifer von
auswärts verpachtet werden soll.
c) Eine „Goldschmelzung und Cirätzscheidung“, eine auf allgemeine
Rechnung von Kaufleuten und Goldschmieden zu betreibende Schmelzanstalt,
welche von einem Ausschuss von drei Kaufleuten und drei Goldarbeitern
überwacht und verwaltet würde, zugleich wäre damit eine wertvolle
Geschäftsvereinfachung mit der bestehenden Kontrollanstalt verbunden.
Endlich hält es Mayer für zweckmässig, ein jährliches Reisestipendium
auszusetzen für einen jungen, tüchtigen Mann, der in fremden Ländern,
z. B. Genf, im Bijouteriefache sich weiter vervollkommnen könne.
Ausserdem dachte er daran, durch ein öffentliches Preisausschreiben
ınter den Chemikern eine schöne, haltbare Sudvergoldung zu erzielen,
lie der unechten Ware ein goldähnliches, wohlfeiles Äussere geben könne.
Leider folgte den meist scharfen Gedanken Mavers nicht die Umsetzung
ın die Tat, sie eilten in ihren Gedanken der Staatseinheit, des Genossenschaftswesens,
der Gewerbe- und Handelsschulen, der Zusammenarbeit
von Wissenschaft und Industrie ihrer Zeit weit voraus, wenn sie auch bei
der Staatsregierung wohlwollende Erwägung und in der Entschliessung
vom I. November 1824 Erfüllung einiger Einzelwünsche brachte.