Die Semilorarbeiten
je Verarmung, welche die napoleonischen Kriege über weite Gebiete
D Europas brachten, hatte für die Handelsbeziehungen Gmünds eine
nachhaltige und im Erwerbsleben tief einschneidende Hemmung zur Folye
Die Kaufkraft sank in den Familien der Bürger und Bauern und die
schwere Zeit der Erniedrigung der deutschen Lande stand dem Aufwand
für Luxus entgegen. Silber und Gold wurde dem Vaterlande gebracht,
an die Stelle des edlen Metalles trat das schwarze Eisen.
Auch der Gmünder Handel*) kam dem Bedürfnis nach billigerem
Schmucke entgyeven und aus den CGoldschmieden entwickelten sich die
Abb, 70 Haarstecker, Tombhak
fül. Erhardsche Gmünder Altertumssammlung
Semilorarbeiter, welche Schmuck aus Semilor, einer Messing ähnlichen
Kupferlegierung erzeugten **). Wenn sie auch keinesweys ausschliesslich
an die Verarbeitung dieses Materials gebunden waren, so gestaltete sich
der Absatz so erfolgreich, dass einzelne Familien durch ihre Erzeugnisse
und durch die Solidität der Vergoldung besonderen Ruf gewannen. Dies
yiılt besonders für die Strassdorfer Goldschmiede Johannes Hägele, 1763
bis 1835, und dessen Bruder Ignaz Hägele, 1777 bis 1840, welche mit
ihren Familien für alle grösseren Handelshäuser Gmünds tätig waren.
*) Der Absatz ging besonders nach Russland und Polen.
“*) Unechte Waren wurden in Gmünd allerdings schon seit dem 17. Jahrhundert gefertigt.