Full text : Die St. Johanneskirche zu Gmünd (Bd. 6)

18 Die Johanneskirche in ihrer Bedeutung für die schwäbische Kunst

Jes erst 1297 vollzogenen Patronatsübergangs weg, vielmehr unterstand
is dahin das Schutzrecht dem Kloster Lorch.
Wir kommen deshalb zu der Annahme, daß die „St. ‚Johanneskapelle“
ejne Gründung des nahen Klosters Lorch war, ist doch auch der Apostel-Fürst
 Petrus, welcher sich neben der sitzenden Figur des kirchlichen
Würdenträgers befindet, der Schutzpatron der deutschen Mutterkirche
des Benediktinerordens in der Hirsauer Peter- und Paulskireche.??)
In den beiden verstümmelten Figuren des Tympanonreliefs haben
wir somit nehen dem Apostel Petrus den Aht des Lorcher oder Hirsauer
Mutterklosters zu erblieken, ebenso in dem Mönchskopf, welcher sich
über dem südlichen Seitenportal befindet.

1) Das Hirsauer Mutterkloster, das 1069 nach dem kirchlichen und architektonischen
 Vorbilde von Cluny gegründet wurde, hat in ganz Süd- und Mitteldeutschland
ine außerordentlich starke bauliche Tätigkeit entfaltet und zahlreiche Kirchen und
Klöster in seinem Geiste gegründet. Verschärfte Kirchenzucht und Rückkehr zur
Einfachheit war das Ziel ihrer Bestrebungen, In den Bauten kommt dies zum Aus-Iruck
 in der Vereinfachung der Anlage, im Verzicht auf Krypta und Westchor und
ler Ablehnung der Wölhung. Dagegen finden sich Vorhalle und Paradies zur Ab
wicklung besonders festlicher Feiern, -— Lorch ist eine der früheren Gründungen.
ei welcher sich auch die offene Vorhalle findet: 1102 wurde es von dem gleichen
Herzog Friedrich von Staufen gestiftet, dessen Gemahlin nach der Volkssage
„uch die Stiftung der Gmünder Johanneskirche zugeschrieben wird. Unter den zahl
reichen Gründungen des Cluniazenserordens nennen wir Alpirsbach, Komburg, El
wangen, Heilsbronn., in Thüringen Paulinzella, Sein Einfluß reichte aber auch ir
len Süden, in die Lombardei, wo in San Abondio in Como eine Anlage nach dem
‚einen Hirsauer Plane erstellt wurde.
            
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