192 VII. Schutz des eisernen Tragwerks gegen Witterungseinflüsse und Feuer
VII. Schutz des eisernen Tragwerks gegen
Witterungseinflüsse und Feuer.
Ungeschütztes Eisen würde sowohl durch die Einflüsse der Wit-Lerung
allmählich verrosten und zugrunde gehen, als auch bei entsprechenden
Hitzegraden seine Tragfähigkeit verlieren. Im letzteren
Falle wären hölzerne Säulen oder Balken immer noch länger widerstandsfähig,
weil sich um deren Umfang eine angekohlte Schicht
bildet, welche den Kern vor weiteren Angriffen schützt, so daß wenigstens
ein Teil des Querschnitts noch volle Tragfähigkeit behielte.
Eiserne Säulen dagegen sacken, wenn die Temperatur im brennenden
Gebäude bis auf Glühhitze gestiegen ist, glatt zusammen und verlieren
jede Tragkraft. Die Träger biegen sich durch und brechen
in der Mitte auseinander. Der unschätzbare Wert einer guten, widerstandslähigen
Ummantelung der cisernen Tragwerksglieder liegt daher
auf der Hand und wird drüben auch in hohem Maße gewürdigt, man
bedenke nur, daß eine einzige schlecht ummantelte Säule den Einsturz
des ganzen Gebäudes zur Folge haben kann. Das Verhalten
der Ummantelungsmaterialien bei Schadenfeuern hatte man zu wiederholten
Malen bei großen Stadtbränden zu beobachten Gelegenheit
(Pittsburg, Baltimore, San Francisco), mit den gesammelten Erfahrungen
war es leicht festzustellen, wo der Hebel zu Verbesserungen
anzusetzen war.
Dagegen blieb die Frage offen, welchen Schutz der Mantel dem
Eisenwerk gewährt gegenüber den Einflüssen der Atmosphäre.
Es wurde daher allerseits mit Spannung erwartet, als das Gillender-Gebäude,
ein im Jahre 1897 nach den neuesten Prinzipien erstellter
L6 stockiger Wolkenkratzer, einem höheren Haus Platz machen sollte
und daher abgetragen werden mußte.
Beim Abbruch wurde das Eisenwerk sorgfältig untersucht und
in tadelloser Beschaffenheit vorgefunden ohne erwähnenswerten Rostansatz.
Hiebei ist allerdings zu bemerken, daß das Gebäude erst
13 Jahre stand und daher ein absolut sicherer Schluß auf das weitere
günstige Verhalten nicht gezogen werden kann.
Die feuer- und witterungsschützende Ummantelung geschieht mit
a) Terrakotta und b) Beton und Eisenbeton.