Volltext : Plan-Fragmente aus der deutschen Dombauhütte von Prag in Stuttgart und Ulm

war vor allem Bildhauer und ging von Prag nach Bruünn, von da schließlich nach Köln.
Mmichael III jedoch, den wir schon als Autor des Straßburger Schaubildrisses von 1383 kennen—
lernten, war vorher in Prag tätig, hat auch durch, Planbearbeitungen“ des Freiburger
münsterturmes in den Siebzigerjahren besonderes Interesse an der Bauhütte seines Vaters
bezeigt 163]. Erst um 1380 erlahmte die Bautatigkeit am Chor in Freiburg / Br. auf fast ein
Jahrhundert hinaus. Bis dahin müssen hier für solch großbasilikale Anlage mit gmündisch
geschlossenem Kapellensystem gerade Umformungen eines Strebebogenwerkes von Wert ge—
wesen sein, wie sie Peter Parler seit 1370 in Prag zu verwirklichen begann. Umgekehrt be—
zeugt der Grundriß des Freiburger Chores auf der Rückseite des Prager Querschnitts in
Wien jedenfalls, daß diese beiden zzütten gerade in den hier interessierenden Jahren mitein—
ander eng verbunden waren. Um 1380, als die Bauarbeiten in Freiburg / Br. so gut wie ein—
gestellt wurden, waren da noch nicht einmal die Kapellen des Chorhauptes eingewölbt. So
konnten die Freiburger Parler Prager Anregungen für das Strebewerk nicht mehr auswerten.
Berade ein Obergaden über bastionartig geschlossenem Rapellenkranz ließ die Vorteile eines
ausgesprochen flach geführten Strebebogenwerkes besonders hervortreten. Daß wahrscheinlich
ein von Prag beeinflußter Plan für solch einen Kapellenkranz in Freiburg / Br. vorlag, wird sich
aus der Untersuchung des Fragmentes Vr. zr ergeben. Für Freiburg / Br. hätte sich da also eine
ahnliche Wirkung eingestellt wie in Kolin. Als zans Niesenberger in Freiburg / Br. ab 347) end⸗
lich den Obergaden ausbaute, sollte das schon auf Grund eines neuen Planes geschehen. Jedoch:
Niesenbergers Strebewerk ist grundsätzlich gleich dem von Rolin. Die Situation hatte sich ja
auch nicht geändert. Auch die tief ansetzende Brüstung und das flach gebliebene Dach der Rapellen—
zone, der Sockelteil endlich von alteren Strebepfeilern des Meisters Niesenberger lassen es mög—
lich erscheinen, daß hier noch Anregungen der Prager Parler nachwirkten, die einmal durch Pläne
von der Art des hier behandelten Fragmentes ihren Weg nach Südwestdeutschland gefunden
hatten. An Michael III Parler, einen der „Junker von Prag“ in Straßburg, konnte dabei zu—
nächst als Vermittler gedacht werden. Jedenfalls werden durch das Prager Plangut in Stutt—-gart
 noch weitere Zusammenhänge zwischen den Parlern von Prag und Freiburg / Br. belegt.
Schon Peter Parler selbst hat zu einer ausgesprochen dekorativen Auswertung des Strebe—
bogenmotivs durch seine Entwürfe für die Schauseiten der Prager Brückentürme, auch durch
die sog. Parler-Monstranz des Prager Domschatzes beigetragen. (Inv. Vr. 85 alt.) Es gibt
heute noch eine ganze Gruppe von Monstranzen in den böhmischen Ländern, in deren Aufbau
Anregungen verarbeitet erscheinen, die sich auf Pläne der Prager Domhütte zurückführen
lassen. Verbindungen der Prager Parler mit der Goldschmiedekunst lassen sich auch urkundlich
belegen. Obgleich sogar in solchen Fällen ÜUbertragungen von üttenplänen eine Rolle gespielt
haben — im zweiten Rapitel wurden dazu Beispiele genannt —, müssen sie hier außer Betracht
bleiben. Als frühes Echo der Parlerpläne für das Strebewerk des Prager Domes sei an dieser
Stelle lediglich das Tabernakel im sog. bohmischen Zochaltar von 375 des Domes von Bran⸗
denburg erwähnt. Am gleichen Bau wurden auch andere Gedanken Peter Parlers schon sehr
früh verwertet. Zeitlich schließt sich solche Wirkung also unmittelbar an die Stuttgarter
Keplik für Freiburg / Br. an. Am Münster von Ulm sind vor dem Südostturm ab 1383 wenig—
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bötzen hier nicht notwendig waren. Zier ist Zeinrich III Parler, ein Schüler Meister Peters
            
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