EMPFANG DES HL. WENZEL DURCH KAISER HEINRICH I. PRAG, DOM, WENZELSKAPELLE
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hat Georg Lemberger, indem er für die Hauptszene mit den vier Landes-
patronen im neu aufgelegten Prager Meßbuch Meister Grünewalds Hallenser
Dombild, die großartige Disputation der Heiligen Erasmus und Mauritius aus-
wertete, den kämpferischen Geist deutscher Reformationskunst sogar in das
katholische Meßbuch Böhmens verpflanzt (Bild S. 16).
Die Erschließung großer Metallvorkommen im Erzgebirge hat in den ersten Jahr-
zehnten des 16. Jahrhunderts auch eine rasche Besiedlung des böhmischen Ge-
birgsteiles zur Folge gehabt. Der ‚Taler‘, im „Dollar‘‘ Amerikas weiterlebend, hat
dem Namen des silberreichen Joachimsthal zu ungeahnter Verbreitung ver-
holfen. Seine Schaumünzen, sein Zinngerät sind auch künstlerischer Ausdruck
einer bodenständigen Kultur, die solcher Bergsegen ermöglicht hatte (S. 166 —67).
Gleichzeitig hat der Waldreichtum zunächst des gebirgigen Nordböhmens die
Begründung jener Glashütten erleichtert, deren kunstreiche Erzeugnisse bald
ainen Weltruf erlangten, welcher heute noch zu Recht besteht (S. 167 und 261).
Was so vom Reich hereinwirkte und ausgedehnten Randbezirken Böhmens dank
kluger Ausnützung von Gaben der Natur zuwuchs, war wiederum deutsche Kultur.
Der Habsburger Hof zu Prag und bald auch der Adel des Landes bevorzugten
eine Baukunst im italienischen Geschmack, mit der sich indes heimisch deutsche
Meister wie Bonifaz Wolmuet bald auf ihre Weise auseinandergesetzt haben.
Um 1600, als die böhmischen Länder nochmals einen König hatten, der zugleich
als Kaiser des Reichs von Prag aus regierte, den Habsburger Rudolf Il., er-
rangen Leistungen der Kunst einen merkwürdigen Sieg über die Lebensgesetze
realer Politik. Ein Herrscher, dem bestimmt war, am Dasein zu leiden und allen Mit-